Endlich fertig! Es ist ein schönes Gefühl nach getaner Arbeit etwas erledigt und abgeschlossen zu haben. Vor einem Projekt werden Ideen gesammelt und einige davon werden umgesetzt. Andere werden verworfen, weil sie zu aufwändig, zu teuer oder einfach nicht passend sind. Manche Vorstellungen müssen über den Haufen geworfen werden. Der Aufwand soll in einem guten Verhältnis zum Ergebnis stehen. Später stellt man manchmal fest, dass es doch mehr Zeit gebraucht hat als zuvor angenommen. Jedoch ist es fertig und Zufriedenheit ist spürbar. Eine weitere Aufgabe ist erledigt uns kann von der ‚To do-Liste‘ gestrichen werden. Fertig! Manche Aufgaben erzeugen jedoch kein wohliges Gefühl, weil sie vielleicht schon so lange aufgeschoben wurden. Es gab vielleicht Gründe sie aufzuschieben. Es hat keine Freude gemacht und doch war es notwendig. Wenn etwas notwendig ist, dann kann, wie das Wort es schon sagt, eine Not der Grund sein. Eine Not, die vielleicht schon lange anhielt oder lange ausgehalten werden musste.

Die Welt litt seit Beginn der Menschheit an einer Not. An Ostern feiern wir das Ende dieser Not. Eine Not, die, wie ein schweres Gewicht an der Menschheit angekettet war. Eine Last, die nicht selbständig bewegt oder gar entfernt werden konnte. Eine Not, die die Freiheit und die Freude am Leben einschränkte. Eine lange Zeit gab es diese Not. Das Ende dieser Zeit wurde mehrfach angekündigt. Viele Menschen warteten und hofften diesem Ende entgegen. Wann passiert endlich etwas? Wann hat die Not ein Ende? Das Ende kam anders als die meisten Menschen es erwartet hatten. Kurz gesagt: Der Erlöser kam, machte alles anders als erwartet und endete am Kreuz. War es das wert? Hat es sich gelohnt? Jeder darf diese Frage für sich beantworten. Zumindest warst DU es Jesus wert, dass er ans Kreuz ging. ‚Ans Kreuz ging‘ ist eine Formulierung, die danach klingt, als ob Jesus sich selbst ans Kreuz gehängt hätte. Als ob er mit Leichtigkeit und ohne Anstrengung das eben mal erledigt hätte. Das tat er natürlich nicht. Es war sein schwerster Weg, der ihn alles gekostet hat. Kurz vor seiner Verhaftung rang er im Gebet mit seinem Vater um die Vollendung des großen Plans. Was ihm bevorstand war so kraftraubend und demütigend. Es würde ihm das Leben kosten. Er ließ es zu. Seinen Gegnern machte er es nicht schwer. Er wehrte sich nicht. Er bettelte nicht um Gnade, sondern ertrug alles bis zum Ende. Er trug selbst sein Kreuz, das für ihn vorgesehene Hinrichtungsinstrument. Er wurde geschlagen, verhöhnt und verlacht. Das gehörte alles zum Plan. Was für ein schrecklicher Plan?!

Und doch hat er es durchgezogen. Wie groß war die Versuchung einfach hinzuschmeißen und abzuhauen. Das war doch viel zu viel. Wer sollte das aushalten können? 

Vom kleinsten bis zum größten Schmerz hat er alles getragen. Er kann mit allen mitfühlen, die Schmerz erfahren. Von allen verlassen, die ihm nahestanden. Allein! Niemand half ihm. Niemand setzte sich für ihn ein oder nahm ihn in Schutz. Ganz und gar ausgeliefert. Er war zu bemitleiden. Und doch war da eine Kraft, die unzerstörbar schien. Diese Liebe und der Blick zu den Menschen waren nicht von dieser Welt. In den letzten Stunden vor seinem Tod hatte er noch den Blick für seine Mitmenschen. Einem anderen Gekreuzigten versprach der das Paradies. Seine Mutter gab er in die Obhut eines seiner Jünger. Und das tat er vom Kreuz aus. Musste das sein? Ja, es war die richtige Zeit und der richtige Ort.

Jesus war am Ziel des großen Plans. In dem größten Schmerz führte er uns mit seinem Tod in die Freiheit. Die Freiheit von den Ketten und der Not, die so lange schon die Menschen niederdrückte. Die Tür zu Gott war geöffnet und für jedermann zugänglich. Das Ziel ist erreicht. Es ist geschafft. Es ist vollbracht!

V. Goosen

Ich bin im Urlaub am Meer. Die Sonne scheint. Der Wind und das Rauschen der Wellen bilden ein angenehmes Hintergrundgeräusch. Ich schaue mir die Umgebung an. Ein Gedanke aus einem am Vortag gelesenen Buch bewegt mich: „Sieh hin! Schaue dich um und betrachte, was um dich herum ist.“

Ich sehe die Wellen, getrieben vom stetigen Wind, mit ihren Schaumkronen. Licht und Schatten wechseln, weil die Wolken vorbeiziehen und das Sonnenlicht immer wieder unterbrechen. Kurz bevor die Sonne hinter einer Wolke hervorkommt, sind ihre Strahlen schon zu sehen. Es sind Vorboten der Wärme und des Lichts.

Am Horizont erkenne ich einige Schiffe, die sich wie in Zeitlupe vorwärtsbewegen. Einige Möwen fliegen kreischend über den Strand auf der Suche nach etwas Essbarem. Die Kinder buddeln mit den Schaufeln im Sand. Sie möchten ein Sand-Sofa bauen. Andere Menschen spazieren am Strand entlang und genießen das Meer. Die Sonne ist gerade wieder da und ich spüre ihre Wärme. Es tut gut. Ich bin dankbar für diesen Moment. Der genaue Blick auf meine Umgebung hat meine Wahrnehmung verändert.

Die Augen sind eine tolle Erfindung Gottes. Bereits im Bauch der Mutter entwickeln sich die Augen. Über eine Million Nervenfasern verknüpfen das Auge mit dem Gehirn. Wie viele kleine Kabel, die Informationen zum Gehirn leiten und dort ein Bild entstehen lassen. Es ist faszinierend. Die Augen sind zum Sehen da und wir werden aufgefordert hinzusehen.

Die Schöpfungsgeschichte erzählt wie Gott sich alles ansieht, nachdem er die Dinge, Tiere, Menschen und alles andere erschaffen hat. „Gott sah, dass es gut war.“ (1.Mose 1,4) Das ist Gottes Empfindung nach einem Blick auf seine Schöpfung. Und das empfindet er auch, wenn er dich ansieht.

Wie sieht deine eigene Perspektive aus? Worauf geht dein Blick, wenn du vor dem Spiegel stehst? Entsprichst du dem gesellschaftlichen Idealen? In Gottes Augen bist du ideal. Du darfst dich als ein gesamtes Kunstwerk Gottes sehen. Versuche beim nächsten Spiegelbesuch mal daran zu denken. Die negativen und zerstörerischen Gedanken über dich gehören in die Mülltonne, die abgeholt und nie wieder zurückgebracht wird.

Hinschauen, das Gute entdecken, innehalten und sich Zeit nehmen.

Einfach ohne Leistungsgedanken hinsetzen, sich die Dinge genau anzuschauen und zu genießen.

Sich über das, was gerade gut im Leben ist, zu freuen und in Dankbarkeit zu schwelgen.

So stelle ich mir Gott bei der Schöpfung vor. Er hatte einen Teil abgeschlossen, schaute es sich an, befand es für gut und genoss es.

Zurück am Strand. Ein besonderes Erlebnis zeigt mir, dass ich die Augen für eine weitere Sache verwenden sollte, als nur die Umgebung anzuschauen und zu genießen.

Am frühen Abend packen wir unsere Sachen zusammen und wollen uns auf den Weg vom Strand zum Ferienhaus machen. Beim Zusammenpacken rutscht mein Ehering vom Finger in den Sand. Wir machen uns sofort auf die Suche, aber der Ring ist nicht zu finden. Am Abend ist meine Stimmung stark getrübt.

Unsere Ehe hängt nicht vom Ring ab, aber der Verlust ist ärgerlich und frustrierend. Noch am gleichen Abend und zwei Tage später gehe ich immer wieder die Stelle ab, an der ich den Ring verloren habe. Mit einem Plastikkorb und mit meinen Händen siebe ich immer wieder den Sand durch. Ich versuche genau hinzuschauen und in dem weichen Sand alles zu ertasten. Nach einigen Stunden der Suche geschieht das Wunder.

Juhu!

Ich spüre den Ring im Sand und stoße einen Freudenlaut aus. Einige andere Strandbesucher schauen mich verwundert an und fragen, ob ich etwas verloren habe. Sie haben mich vorher schon knieend durch den Sand ‚pflügen‘ sehen. Die vielen Gebete, die ich gesprochen habe, wurden erhört. Die Freude ist riesig. „Wer sucht, der findet“ das habe ich gerade ganz praktisch erfahren. Dazu musste ich ganz genau hinsehen.

Ich möchte dich ermutigen innezuhalten, hinzusehen und ganz neu zu staunen, was du entdeckst. Vielleicht wirst du überrascht durch einen neuen Blick auf etwas Altbekanntes oder findest ganz Neues. Lass dich darauf ein und schau hin.

Hallo,

in der Predigt am 15.06.2025 haben wir es schon angekündigt: Wir wollen gemeinsam unser Herz verändern – und du kannst ganz einfach mitmachen!
Egal, ob du lieber etwas zum Ausdrucken hast oder alles direkt im Handy-Kalender brauchst, wir haben was für dich vorbereitet.

So kannst du dabei sein

Wir starten am Montag den 16.06. Such dir einfach einen Plan aus, was dich mehr angesprochen hat. Wir werden auch die Möglichkeit geben, dass du nach den 21 Tagen von deinen Erfahrungen berichten kannst.


Bibelleseplan – Sorgen

📄 PDF-Plan zum Ausdrucken:

📅 Kalender-Datei (ICS) für dein Handy

Du willst die Bibelstellen direkt im Kalender sehen und Erinnerungen bekommen? Dann ist die ICS-Datei genau richtig für dich!
Einfach runterladen und in deinen Kalender importieren – die Tages-Bibelstellen stehen immer in den Details.

Bibelleseplan – Neuer Bund

📄 PDF-Plan zum Ausdrucken:

📅 Kalender-Datei (ICS) für dein Handy

Du willst die Bibelstellen direkt im Kalender sehen und Erinnerungen bekommen? Dann ist die ICS-Datei genau richtig für dich!
Einfach runterladen und in deinen Kalender importieren – die Tages-Bibelstellen stehen immer in den Details.

Besitzt du ein Gerät, eine Maschine oder etwas anderes, das schon seit Jahren ohne Störungen funktioniert und noch nie defekt war? Bei Neuanschaffungen ist häufig der Wunsch vorhanden, dass diese lange halten. Wir haben uns vor einigen Wochen eine neue Kaffeemaschine gekauft, die nach kurzer Zeit schon eine deutliche Undichtigkeit zeigte und bei der das Wasser aus dem Gehäuse floss. Das Wasser war eigentlich dafür gedacht, in der Kaffeetasse zu landen. Uns war klar, dass die Kaffeemaschine nicht für immer halten wird, jedoch überraschte und verärgerte uns der frühe Schaden. Unsere Waschmaschine dagegen leistet schon seit über 15 Jahren ihre Dienste. Nicht immer ganz ohne Probleme, aber sie wäscht noch.

„Früher waren die Geräte besser und haben länger gehalten“ hört man manchmal. „Heute sind die Geräte mit Absicht so konstruiert, damit sie irgendwann kaputt gehen.“ Ob es mit es Absicht ist oder nicht, nichts ist für die Ewigkeit gebaut. Autos, Küchenmaschinen, Bohrmaschinen und Föhns geben irgendwann ihren ‚Geist‘ auf. Gebäude zerfallen, wenn sie nicht gepflegt und sich selbst überlassen werden. Der Zahn der Zeit nagt irgendwann an allen Dingen. Nicht mal der menschliche Körper ist für die Ewigkeit gemacht. Nach der Geburt wächst der Mensch heran und wird groß. Nach einigen Jahrzehnten wird eine Reduzierung der Kraft und Ausdauer spürbar. Die Gelenke fangen an zu knacken. Die Haut wird schlaffer und es entstehen Falten. Die Sehkraft lässt nach. Der Verschleiß lässt sich nicht vermeiden. Das zu akzeptieren ist eine Herausforderung und fällt in der Regel nicht einfach.

Wäre es nicht genial, wenn die körperliche und mentale Stärke für immer bleiben oder sogar immer weiterwachsen könnte? Wäre es nicht wunderbar, ein Gerät zu kaufen, welches bis zum Lebensende funktionieren würde? Oder dass geliebte Kleidungsstück, das so gut sitzt. Es wäre wunderbar, wenn es niemals ausleiern, sich nicht verziehen und die Farbe für immer behalten könnte.

Ich höre schon einige Gegenstimmen, die das zu monoton und langweilig finden. Mal etwas Neues und Frisches ist gut und macht Freude. Das Leben ist nun mal davon geprägt, dass Dinge und Situationen ein Ende haben. Nichts ist von Dauer. Alles zerfällt und vergeht irgendwann. Die größten Mächte und Reiche haben mal ein Ende. Alles vergeht! Wirklich alles? Ich erinnere mich an eine Stelle in der Kinderbibel, die meine Frau und ich unseren Kindern häufig vorgelesen haben: Gott liebt jeden mit einer Liebe, die niemals aufhört, niemals aufgibt, niemals kaputtgeht und immer und ewig gleich stark bleibt.

Das klingt nach etwas, dass länger hält, als das, was ich bisher kennengelernt habe. Es hält sogar für immer und ewig. In 1.Korinther 13,8 heißt es: „Die Liebe wird niemals aufhören.“

Sie hört einfach nicht auf, niemals. Sie hat kein Ende. Schwer zu verstehen, wenn man als Mensch an Zeit gebunden ist.

Die Erläuterung der Liebe Gottes in der Kinderbibel hat mich beeindruckt. So schön zusammengefasst und gut auf den Punkt gebracht. Niemand wird von dieser Liebe ausgeschlossen. Sie gilt jedem Menschen! Hinzu kommt, dass diese Liebe unabhängig von dem Tun, der Leistung oder dem Verhalten des Menschen ist. Egal, was ich tue, die Liebe wird sich nicht ändern. Die Liebe ist konstant und nicht schwankend, wie zum Beispiel ein Ruderboot bei Wellengang. Sie hat Bestand. Nichts kann sie umwerfen oder aus der Bahn werfen. Die Stabilität dieser Eigenschaft ist faszinierend.

Gottes Liebe ist ausdauernd und geduldig. Sie hält sehr viel aus. Das lesen wir auch in den anderen Versen in 1.Korinther 13. Die Liebe Gottes verliert nicht ihre Wirkung und Stärke. Das scheint so fern von dem zu sein, was hier auf der Erde zu sehen und zu spüren ist.

Eine Sache fällt mir jedoch ein, die wir Menschen haben, die von der Vergänglichkeit ausgeschlossen ist: unsere Seele. Die Seele ist für die Ewigkeit gemacht und nicht dem irdischen und menschlichen Zerfall ausgeliefert. Ich trage etwas Ewiges in mir. Dieser Gedanke gefällt mir. Es ist etwas Göttliches, was sich nach der Beziehung zu ihm sehnt und dafür geschaffen wurde.

Die Liebe Gottes ist unzerstörbar. Sie kann nicht rosten, verschleißen oder ihre Funktionsfähigkeit verlieren. Und die Verbindung zu dieser Liebe hat einen ähnlichen Bestand. Denn wir lesen in

Römer 8,38-39: Ja, ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch ´unsichtbare` Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch ´gottfeindliche` Kräfte, weder Hohes noch Tiefes, noch sonst irgendetwas in der ganzen Schöpfung uns je von der Liebe Gottes trennen kann, die uns geschenkt ist in Jesus Christus, unserem Herrn.

Etwas so Unzerstörbares mit dieser Festigkeit und Beständigkeit kann nicht von dieser Welt sein. Mir macht es Mut, zu einem Gott zu gehören der die Liebe ist und mich mit dieser unverwüstlichen Liebe beschenkt. Eine Liebe, die niemals aufhört, niemals aufgibt, niemals kaputtgeht und immer und ewig gleich stark bleibt!

V. Goosen

„Der Herr, dein Gott, ist bei dir, der mächtige Retter. Er wird sich über dich freuen mit Freude. Er wird still sein in seiner Liebe. Er wird über dich jubeln mit Gesang.“

Zephania 3,17

Dieser Vers beschreibt die Nähe Gottes zu den Menschen, seine rettende Kraft, und die Freude, die er über die Beziehung zu seinen Gläubigen empfindet. Er vermittelt ein Bild von Geborgenheit und Zuwendung, das weit über das menschliche Verständnis hinausgeht. Im Kontext der digitalen Entmaterialisierung und der modernen Herausforderungen in der Gesellschaft gewinnt dieser Vers eine besonders tiefere Bedeutung für mich. Die digitale Revolution hat unser Leben in vielfacher Hinsicht verändert: Sie hat die Art und Weise, wie wir kommunizieren, wie wir lernen, wie wir arbeiten und wie wir Beziehungen aufbauen, grundlegend umgestaltet. Dabei ist der Verlust von greifbaren, physischen Begegnungen und die immer weiter fortschreitende Abstraktion menschlicher Kommunikation eine der zentralen Herausforderungen der Gegenwart. In einer Welt, in der soziale Netzwerke, digitale Medien und die Anonymität des Internets immer dominanter werden, stellt sich die Frage, wie der Bibelvers aus Zephania 3,17 in diesen modernen Kontext eingeordnet werden kann.

Die digitale Entmaterialisierung beschreibt den Prozess, bei dem physische Objekte, Ressourcen oder Prozesse durch digitale Technologien ersetzt oder abstrahiert werden. Dabei geht es darum, dass zunehmend Dinge, die früher in materieller Form existierten, nun in digitaler Form vorliegen und über digitale Plattformen und Geräte zugänglich sind. Ein klassisches Beispiel ist die Umstellung von gedruckten Büchern auf E-Books, das Ersetzen von physischen Karten durch digitale Navigationssysteme oder die Verlagerung von persönlichen Begegnungen und sozialen Interaktionen in virtuelle Räume wie soziale Netzwerke oder Videokonferenzen. In diesem Prozess wird die physische Materie immer mehr durch Daten und digitale Informationen ersetzt. Digitale Entmaterialisierung betrifft nicht nur den Bereich der Kommunikation, sondern auch Bereiche wie Arbeitsprozesse, Konsumverhalten (z.B. digitale Musik und Filme statt physischer Datenträger) und sogar Identität (z.B. digitale Identitäten und Profile). Die digitale Entmaterialisierung führt dazu, dass viele Aspekte des Lebens zunehmend immateriell und abstrakt werden, was sowohl Chancen als auch Herausforderungen für Gesellschaft, Individuen und zwischenmenschliche Beziehungen mit sich bringt.

Die digitale Entmaterialisierung hat die Art und Weise, wie wir miteinander in Beziehung treten, damit radikal verändert. Während wir früher vor allem durch direkte physische Begegnungen kommunizierten, erfolgt heute ein Großteil unserer Interaktionen über digitale Plattformen. Dieser Wandel hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Gesellschaft, insbesondere auch auf die Erziehung und die Entwicklung von Kindern. Kinder wachsen zunehmend in einer digitalen Welt auf, in der soziale Bindungen oftmals nicht mehr durch direkte, persönliche Begegnungen, sondern durch Bildschirme und virtuelle Kommunikation geprägt sind. Für die Erziehung und die Entwicklung von Kindern bedeutet das eine Reihe von Herausforderungen. Die Fähigkeit, emotionale Intelligenz zu entwickeln, das Verständnis für nonverbale Kommunikation zu schärfen und die Fähigkeit, echte, tiefgehende Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen, wird zunehmend erschwert. Kinder, die in einer digitalen Welt aufwachsen, erleben oft weniger direkte, emotionale Bindungen und sind stärker der Gefahr ausgesetzt, in einer Welt der Oberflächlichkeit und der Anonymität zu leben. In diesem Zusammenhang stellt sich für mich die Frage, wie die christliche Lehre und der Glaube als Orientierungshilfe dienen können, um Kindern Werte zu vermitteln, die den digitalen Herausforderungen und der Entmaterialisierung entgegenwirken.

Der christliche Glaube bietet dabei einen tiefen Trost und eine klare Orientierung inmitten der Herausforderungen der digitalen Entmaterialisierung. Der Vers aus Zephania 3,17 hebt hervor, dass Gott ein „Held“ ist, der rettet, und dass er sich über seine Kinder freut und sie in seiner Liebe trägt. Diese Nähe und Fürsorge Gottes ist nicht abhängig von digitalen Medien oder der Abstraktion von realen Begegnungen. Sie ist eine beständige und echte Realität. In einer Welt, die zunehmend von der digitalen Entmaterialisierung geprägt ist, ruft der Glaube uns dazu auf, die tiefe, persönliche Beziehung zu Gott und zu unseren Mitmenschen nicht durch technologische Entwicklungen ersetzen zu lassen.

Im Vers wird Gott als derjenige beschrieben, der sich „über dich freut mit Gesang“. Diese Freude ist keine flüchtige, oberflächliche Freude, sondern eine tief empfundene Zuwendung, die uns in unserer menschlichen Existenz trägt. Die Beziehung zu Gott ist eine, die nicht in digitaler Entmaterialisierung verloren geht, sondern sich auf der tiefsten Ebene unseres Seins manifestiert. In einer Zeit, in der Menschen oft durch virtuelle Identitäten kommunizieren, erinnert uns der Glaube daran, dass wahre Freude und Gemeinschaft nicht in der digitalen Welt, sondern in der realen Begegnung mit Gott und dem Nächsten gefunden wird.

Die Auswirkungen der digitalen Entmaterialisierung auf unsere physischen, psychischen und sozialen Beziehungen sind weitreichend. In der digitalen Welt sind wir zwar ständig miteinander verbunden, aber gleichzeitig auch isolierter und entfremdeter von der physischen Realität. Dies führt zu einer Veränderung der Art und Weise, wie wir Beziehungen erleben und pflegen. Psychisch gesehen erleben viele Menschen eine verstärkte Einsamkeit, obwohl sie permanent online sind. Soziale Netzwerke bieten den Schein von Nähe, doch echte, tiefgehende Verbindungen fehlen oft. Der christliche Glaube bietet hier eine wichtige Orientierung, indem er uns dazu auffordert, echte, authentische Beziehungen zu suchen. In der Bibel wird immer wieder betont, wie wichtig es ist, einander in Liebe und Wahrheit zu begegnen. Diese Prinzipien sind auch heute von entscheidender Bedeutung, um die Entfremdung zu überwinden, die durch die digitale Welt entsteht. Die Rolle der Gemeinde und der christlichen Gemeinschaft in dieser Hinsicht kann nicht unterschätzt werden. Sie ist ein Ort der physischen und geistlichen Begegnung, an dem echte Beziehungen gepflegt werden und in dem Menschen lernen, wie sie die Liebe Gottes auf ihre Mitmenschen übertragen können.

Zephania 3,17 erinnert uns an die Nähe und Freude Gottes an uns, eine Nähe, die nicht von digitalen Medien oder technologischen Veränderungen beeinflusst wird. Der christliche Glaube bietet einen stabilen Rahmen für den Umgang mit den Herausforderungen der digitalen Entmaterialisierung und hilft uns, authentische Beziehungen zu Gott und unseren Mitmenschen zu pflegen. Gerade in einer Zeit, in der digitale Abstraktionen unsere physischen und psychischen Beziehungen herausfordern, ist die Botschaft dieses Verses eine Einladung, uns auf die wahre, nicht entmaterialisierte Beziehung zu Gott und zu anderen Menschen zu besinnen. In dieser Rückbesinnung auf echte, zwischenmenschliche Verbindungen kann der christliche Glaube eine heilende und orientierende Rolle spielen, sowohl in der Erziehung als auch in der sozialen und psychischen Entwicklung der Gesellschaft.

Alex Janzen

„Prüft aber alles und das Gute behaltet.“

1. Thessalonicherbrief 5,21

Wir leben in Zeiten, in denen sich unsere Gesellschaft rasant verändert und immer vielfältiger wird. Und manche begrüßen jede Neuerung, während andere lieber das Althergebrachte verteidigen wollen. Und gleichzeitig steigt die Vielfalt in unserer Gesellschaft und der Streit zwischen den verschiedenen Ansichten wird zum Teil erbittert geführt.

Was uns als Problem der modernen Gesellschaft erscheint, ist eigentlich eine uralte Frage. Wie reagieren wir auf neue Herausforderungen und wachsende Vielfalt? Diese Frage ist so alt, dass sie sogar im ältesten Text des Neuen Testaments thematisiert wird. Dort schreibt der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Thessaloniki zu diesem Thema: „Prüft aber alles, und das Gute behaltet.“

Die von Paulus gegründete Gemeinde in Thessaloniki lebte in einer antiken Hafenstadt, in der Menschen aus allen Ländern der Welt zusammenkamen. Und sie brachten unterschiedlichste Religionen und Kulte, philosophische Überzeugungen und Wertvorstellungen mit und stellten damit die junge christliche Gemeinde vor Ort vor viele Fragen. Wie umgehen mit dieser Vielfalt? Wie offen dürfen wir sein? Welche Glaubensgrundsätze sind unaufgebbar, welche veränderlich? Und wie sieht eine gute christliche Lebenspraxis aus?

„Prüft aber alles, und das Gute behaltet.“ Eine ziemlich pragmatische Antwort, die Paulus hier anbietet. Aber er weiß, wovon er spricht. Er war als Verteidiger einer strengen jüdischen Gesetzesfrömmigkeit aufgewachsen und hatte zunächst die Anhänger des neu entstehenden christlichen Glaubens verfolgt. Was neu und anders war, als er es gelernt hatte, das konnte nicht gut sein. Aber dann machte er die umstürzende Erfahrung, dass ihm der auferstandene Jesus begegnete. Und nach diesem Damaskuserlebnis wurde er zu einem Missionar des neuen Glaubens und zum Begründer eines Christentums, das sich nicht mehr an die alten Gesetzesvorschriften des Judentums gebunden sah. Er hatte sich also nicht nur auf etwas für ihn wirklich umstürzend Neues eingelassen, sondern es zu seinem Lebensinhalt gemacht.

Die von Paulus formulierte Jahreslosung für das Jahr 2025 enthält auch für unsere Zeit eine praktische Grundhaltung für neue Herausforderungen: Seid offen für das Neue, denn es könnte gut sein. Aber prüft das Neue daran, ob es sich als gut erweist. Und wenn ja, dann behaltet es bei und nehmt es in Eure Lebens- und Gemeindepraxis auf. Dass dieser Vorgang des Prüfens intensive Diskussionen auslösen kann, ist klar. Aber die sind es wert, geführt zu werden, weil wir nur so auch in einer sich schnell verändernden Gesellschaft immer wieder das Gute aus den vielfältigen neuen Möglichkeiten herausfiltern und in unser Leben integrieren können.

Prof. Dr. Ralf Dziewas
(Professor für Diakoniewissenschaft und Sozialtheologie an der Theologischen Hochschule Elstal)

Mit dem Näherkommen der Weihnachtszeit wandern unsere Blicke wieder zunehmend auf die Geburt Jesu in Bethlehem – und damit auch auf eine Geschichte, die das spätere Wirken und Wesen dieses Jesus symbolisieren soll. Ein Mensch, dessen Kommen zwar vorhergesagt war, der aber dennoch mit seiner Art unerwartet erscheint und einen Bruch mit verschiedensten Erwartungen verkörpert. Anstatt eines Palastes wird er in einem Stall geboren. Anstatt der bürgerlichen Mitte oder Elite lädt er die Hirten aus der Unterschicht zu sich ein. Und anstatt Ungerechtigkeiten wie zum Beispiel die römische Besatzung zu beenden, wird er schließlich die Ungerechtigkeiten der Welt unter Schmerzen ertragen. Mit all diesen Unterschieden zwischen Jesus und so manchen ruhmvollen Persönlichkeiten aus der Bibel wäre auch ein thematischer Umbruch zu erklären, der im Übergang vom Alten ins Neue Testament oftmals verspürt wird. Dabei ist der Gott des Alten Testaments einer, der wie die anderen antiken Götter auch die Opfer der Menschen benötigt, um ihre Schuld vergeben zu können, während der Gott des Neuen Testaments durch Jesus endlich auch Gnade nutzen kann, um mit seinen Menschen in Beziehung zu treten. Jesu Erscheinen wird dann im Alten Testament vorhergesagt und es gibt einige Anzeichen wie die Jungfrauengeburt in Jesaja 7,14 oder auch die Abstammung von der Blutlinie König Davids in 2.Samuel 7,14-16, anhand derer Jesu Authentizität als Messias im Nachgang noch bekräftigt werden kann. Doch stattdessen möchte ich gerne eine Perspektive aufzeigen, aus der heraus die Entwicklung der messianischen Theologie bis ins Neue Testament hinein etwas flüssiger erscheint.

Der Begriff Messias, der wörtlich übersetzt so etwas wie „Der (von Gott) Gesalbte“ bedeutet, war zunächst ein Titel, der Königen wie David oder Saul zustand und vermittelte, dass sie von Gott eingesetzt wurden, um sein Volk zu leiten. In kommenden Krisenzeiten wie beispielsweise dem babylonischen Exil änderte sich die Messiasvorstellung in die Erwartung eines zukünftigen Retters, der die Israeliten aus ihrer Not befreien würde. Hieran wird auch schon ersichtlich, dass messianische Texte nicht nur etwas über die Zukunft aussagten, sondern und vielleicht auch vor allem etwas über die gegenwärtigen Verhältnisse ihrer Entstehung. Doch auch hier war die Vorstellung, die über den Messias zum Ausdruck kam, von geopolitischen Umwälzungen und historischen Befreiungen geprägt. Wenn der Messias kommen sollte, sollten das die Feinde der Hebräer zuerst mitbekommen. Eine leicht nachvollziehbare Hoffnung für ein Volk, welches beizeiten der Unterdrückung durch stärkere Nachbarn ausgesetzt gewesen ist. Aber es geht noch weiter und die Vorstellung eines Messias, der nicht durch offensichtliche Stärke und Übermacht, sondern – viel unscheinbarer – durch das Erdulden von Leid und Demütigung besticht, entwickelt sich nicht erst im Neuen Testament, sondern bereits in alttestamentlichen Texten wie zum Beispiel dem 53. Kapitel im Buch Jesaja.

Hier ist die Rede von einer Figur, die weder Schönheit noch Anmut als adlige Attribute vorwies, die von allen Menschen gemieden, verachtet oder auch misshandelt wurde, die Krankheiten, Abweisungen und Verletzungen klaglos erlitt. Und die durch all das als Sinnbild für die offenbarte Macht Gottes präsentiert wird. Besonders im Hinblick auf vorherige Kapitel aus diesem Buch, in dem das Leiden und die Gefahrenaussetzung der Hebräer als Strafe Gottes und als seine Abkehr von seinem Volk gedeutet wird, kommt hier eine ganz andere Betrachtungsweise zum Vorschein. Eine, in der das Leiden nicht als elendig und schambehaftet, sondern als ehrenvoller und rühmlicher Ausdruck von innerer Stärke und Zugewandtheit verstanden wird. In einer Zeit, in der die Hoffnungen der Menschen auf baldige Erlösung von Unterdrückung nicht mehr weiter hinausgezögert werden können, brauchen sie einen Gott, der nicht in der zukünftigen Befreiung, sondern in der jetzigen Not erfahrbar wird.

Es ist ein Text, der aufzeigt, dass Jesus mit seinem Wesen nicht erst im Neuen Testament auftritt. Dass er im Alten Testament nicht bloß vorhergesagt, sondern greifbar gemacht wird. Ich denke nicht, dass es notleidenden Menschen einige Jahrhunderte vor Christus wirklich geholfen hätte, hätten sie mehr vom historischen Jesus erfahren – in dem Wissen, dass er ohnehin erst weit außerhalb ihrer Lebenszeit erscheinen wird. Doch das, was er bedeutet, und der Geist, der ihn umgibt, haben eine essenzielle Bedeutung auch für diejenigen, die lange vor seiner Geburt gelebt haben und die Jesus nicht anhand seines Wirkens als Mensch erfasst haben würden.

Die messianischen Texte im Alten Testament sollen nicht einfach nur im Nachgang für uns in der nachchristlichen Zeit Sinn ergeben. Es sind schließlich Texte, die von Menschen verfasst wurden, die den menschlichen Jesus nicht mehr kennenlernen würden. Texte, die offenbar so wertvoll für ihre Leserinnen und Leser waren, dass sie ihren Weg in die Bibel gefunden haben. Solche Texte sind nicht nur für uns da, sondern auch für ihre damaligen Zeitgenossen. Für Menschen, die nicht nur auf bessere Zeiten vertröstet, sondern in ihrem Leid getröstet werden wollten. Und wenn wir uns auf diese Perspektive einlassen, so glaube ich, dass die prophetischen Texte im Alten Testament nicht nur Listen sind, deren Punkte nach und nach abgehakt werden können, sondern Zugänge zum zugewandten Gott, deren Bedeutung vom Zeitpunkt der Niederschreibung an Bestand hat.

Marvin Esau

Wer bist du? Diese Frage nach der eigenen Identität hat sich sicher schon jeder irgendwann gestellt. In einer ruhigen Minute oder vielleicht sogar Stunde. Denn es ist keine Frage, die man schnell mit einem Satz beantworten könnte. Zumindest nicht vollumfänglich. Jedoch wird es auch mit sehr vielen Worten schwer, einen Menschen ganzheitlich zu beschreiben. Alles was eine Person ausmacht, das Wesen, den Charakter und alle anderen Merkmale.

Nun, es bleibt die Frage. Wer bin ich? Wer bist du?

Ich bin ein Klumpen Ton. Du bist ein Klumpen Ton! Diese Aussage gibt es zumindest in der Bibel. Ton ist kein wertvolles Material. Es ist nasser Dreck. Das klingt zunächst nicht so positiv.

Vielleicht kennen wir jedoch das Gefühl, als Klumpen irgendwo zu liegen und etwas stumpfsinnig den Alltag hinter uns zu bringen. Unzufriedenheit und Unbehagen machen sich in den Gedanken breit. Wie passe ich als Klumpen irgendwohin?

Jedoch bleibt es nicht bei diesem Klumpen. Der Töpfer nimmt den Ton in die Hand und bearbeitet ihn. Der Töpfer ist ein Künstler. Er hat etwas im Sinn, was aus dem Klumpen werden kann. Er besitzt die Fähigkeit, Kreativität und Geduld etwas Schönes und Brauchbares daraus zu formen. Er weiß, wie das Material zu verarbeiten ist, wo gedrückt und gezogen werden muss. Er ist ein Meister seines Fachs und sieht die Schönheit schon bevor sie entsteht. Das Einzigartige und Wunderbare im Klumpen kann der Laie nicht sehen. Und doch lässt der Töpfer es entstehen. Gott als Töpfer beschreibt seine kreative Seite, mit der er dein Leben bereichern möchte. Du bist nicht einfach nutzloser Ton, sondern etwas Wunderschönes in Gottes Hand.

Aber wir fühlen uns oft gar nicht so wunderschön. Das Gefühl der Wertlosigkeit macht sich breit und ein gesundes Selbstbewusstsein scheint außerhalb unserer Reichweite zu liegen. Das Bemühen z. B. um gutes Aussehen oder gute Leistungen kann viel Kraft in Anspruch nehmen. Das Wohlgefühl ist so fern.

In Johannes 15,5 spricht Jesus vom Weinstock und beschreibt die Verbundenheit zu seinen Nachfolgern: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Das sind Worte, die eine Identität beschreiben, zu der du und ich erschaffen wurden. Es geht nicht darum, unsere Identität selbst zu kreieren. Wir sind dazu erschaffen, ganz abhängig von Gott zu sein. Diese Identität lässt den Blick von mir zu Gott wandern. Das „Ich“ ist von Gott geprägt. Ich bin Gottes Ebenbild, sein Geschöpf. Auf der Suche nach Identität, Bestimmung und Selbstvertrauen darf der Blick zu ihm gehen. Dabei wird die Wahrheit sichtbar, dass er das Fehlende und Unsichere nimmt und in Vertrauen verwandeln kann.

Gott kennt dich!

Andere Menschen können dich manchmal nicht verstehen, weil das Gesagte falsch rüberkommt. Gott kennt dein Herz und deine Absicht. Er weiß zu 100% was in deinem Kopf und deinem Herzen vorgeht.

Gott kennt deine ängstlichen Gedanken und Gefühle, von denen du niemanden erzählen möchtest, weil es dir vielleicht zu peinlich oder intim ist. Oder du erzählst nur eine Variante, die nicht exakt alles beschreibt, um nicht zu blöd dazustehen.

Von Gott wirst du gekannt und verstanden. Er sorgt sich um das, worüber du dir Sorgen machst. Für ihn sind deine Bedenken nachvollziehbar. Von Gott gekannt zu werden, heißt Bestätigung zu bekommen. Ich erinnere mich, wie ich als Teenie häufig den Gedanken hatte, dass ich an nichts Böses denken darf oder böse von Menschen denken sollte, weil Gott meine Gedanken kennt. Ich zwang mich diese Gedanken zu unterdrücken. Ich habe die Gedanken für mich behalten und bin damit nicht offen zu Gott gekommen. Er wusste es doch schon. Ich hätte es mir einfacher machen können.

Gott weiß alles über dich und verurteilt dich nicht. Er kennt das Gute, das Unschöne, das Schlechte und das richtig Hässliche. Er kennt die dunkelsten Gedanken deines Herzens. Du musst dich jedoch nicht bedroht fühlen, wenn er dich so kennt. Wenn er dich so gut kennt, kann er dir am besten helfen und den Weg zeigen, der gut für dich ist. Er kennt dich und liebt dich trotzdem.

In Epheser 2,10 heißt es: „Denn was wir sind, ist Gottes Werk.“ Andere Übersetzungen verwenden das Wort „Meisterwerk“. Du bist von Gott geschaffen und du bist genauso, wie er dich vorgesehen hat – ein Meisterwerk!

Erscheint es dir übertrieben? Ich soll ein Meisterwerk sein? Ich finde diesen Gedanken phänomenal und es zaubert ein Lächeln in meinem Gesicht, wenn ich die Aussage höre. Nicht weil mein Ego dadurch eine wohltuende Massage erhält, sondern weil ich den Gedanken schön finde, dass Gott sich sehr viel Mühe gemacht hat, als er sich mich ausgedacht hat. Er hat viele Gedanken über mich ‚verloren‘, weil ich ihm wichtig bin.

Für mich wünscht er sich so sehr, dass ich ihm näherkomme. Er sucht meine Nähe. Jedoch beruht eine Beziehung auf Gegenseitigkeit. Je näher ich ihm bin, desto mehr werde ich, wie er ist. Und je mehr ich weiß, wie er ist, desto mehr werde ich erkennen, wer ich bin – ein Meisterwerk. Das Gleiche gilt für dich. Wenn es dich nicht gäbe, dann würde der Schöpfung etwas fehlen.

Du bist ein Meisterwerk!

V. Goosen

Kennst Du Situationen in deinem Leben, wo du fremden Menschen begegnet bist und gemerkt hast, irgendwie ist da was zwischen uns, was uns verbindet? Wir können wildfremden Menschen begegnen und sofort kann eine Aura des Angenommen-Seins den Raum fluten. Es gibt allerdings auch Situationen, in denen diese Begegnungen irgendwie nicht zusammenpassen; man sagt „die Chemie stimmt nicht“. Dies geschieht meist automatisch und instinktiv ohne unseren aktiven Willen.

In Johannes 4,4 NGÜ lesen wir: „Dabei musste er (Jesus) durch Samarien reisen“. Jesus befand sich mit seinen Jüngern in Judäa in Jerusalem und es zog ihn nach Galiläa. Dabei, so steht es geschrieben, musste er durch Samarien reisen. Die gläubigen Juden gingen nicht durch Samarien, wenn sie nach Galiläa wollten, sondern gingen immer einen Umweg um das Gebiet herum. Zwischen den Juden und den Samaritanern herrschte ein ewig langer Glaubenskrieg von anderen Überzeugungen und Traditionen. Geographisch gesehen musste Jesus nicht durch Samarien reisen; er hätte es den Geistlichen Juden nachmachen und das Gebiet umgehen können.

Aber Jesus musste dieser Frau begegnen. Er spürte, da ist irgendwas, was uns auf eine Ebene bringt. Er spürte, dass er Regeln und Traditionen durchbrechen und einer Frau begegnen musste. Jesus hatte ein geistliches „musste“ auf dem Herzen. Obwohl er diese Frau nicht kannte, kannte er sie im Geist; irgendwie passte es zusammen.

So kamen Jesus und seine Jünger in die Nähe von Sychar, einer Stadt in Samarien. Vor der Stadt schickte Jesus seine Jünger zum Einkaufen von Lebensmitteln. Jesus wollte sich alleine an den Brunnen setzen, mitten am Tag in der Mittagshitze bei den heißesten Temperaturen. Jesus spürte diese Frau, die sich mit ihren Wasserkrügen zum Brunnen quälte. Zu der Zeit war es sehr untypisch, dass jemand mitten am Tag Wasser aus dem Brunnen holte. Diese Aufgabe wurde früh morgens oder abends erledigt, wenn es kühler war. Aber so nicht bei dieser Frau. Und Jesus wusste, dass es kein Zufall war, dass sie sich dort trafen.

Jesus sprach sie an und bat sie um etwas zu trinken. Die Frau wunderte sich, dass Jesus als Jude sie angesprochen hatte. Woher wusste sie, dass Jesus ein Jude war? War er besonders gekleidet? Hat er besonders gerochen? Hat er einen Dialekt gesprochen? Oder war es diese besondere Aura zwischen den beiden Menschen, die sie etwas hat erahnen lassen? Kennst du das, wenn Jesus dich anspricht, dass sich das anders anfühlt? Spürst du die Treffsicherheit seiner Aussagen in deinem Herzen?

Jesus und die Frau kamen innerhalb von ein paar Sätzen in eine sehr tiefe Beziehung, es ging um intime Themen und es wurde sehr persönlich. Hast du Personen in deinem Leben, mit denen du innerhalb kürzester Zeit über die tiefsten Themen sprechen kannst? Jesus ist auf jeden Fall so eine Person. Jesus geht es ums Herz und daher geht es mit Jesus immer ans „Eingemachte“; an die tiefen Stellen in deinem Herzen und deiner Seele.

Jesus sprach die Schuld der Frau konkret an. Nicht um sie zu verurteilen, sondern um Verborgenes aufzudecken und Wahrheit ans Licht zu bringen. Schuld muss aufgedeckt werden. Schuld darf nicht zugedeckt bleiben. Aber Jesus verurteilte sie damit nicht, sondern gab ihr Hoffnung und Vergebung. Wir müssen unsere Schuld nicht zudecken, sie nicht länger mit rumtragen und uns damit rumquälen. Wir können die Schuld bei Jesus ans Licht bringen und frei davon werden; Ballast abwerfen, leichter durchs Leben gehen. Das war dies eine lebensverändernde Begegnung der Frau, die es ohne Jesus „musste“ nicht gegeben hätte. Jesus geht keinen Umweg, er geht direkt in die Probleme, in die Schuld und in die Hoffnungslosigkeit rein, um dir Freiheit zu ermöglichen. Du musst nur Ja dazu sagen.

Das wünsche ich dir, dass du diese lebensverändernde Begegnung jeden Tag aufs Neue erfährst und suchst. Jesus ist bereits an deinem Zufluchtsort, da, wo gerade kein anderer ist. Jesus wartet auf dich. Sei darin gesegnet.

T. Probsthain

Was die Person Jesus für uns Christinnen und Christen in seinem Wirken unter uns Menschen so bedeutend macht, ist nicht zuletzt die Tatsache, dass er die Gute Nachricht nicht nur gepredigt, sondern auch radikal gelebt und in seinen Taten verwirklicht hat. Wir glauben an einen liebevollen Heiland in Wort und Tat. Dennoch ist durch Geschichten, laut denen Jesus Geschäftstüchtige aus dem Tempel vertreibt oder seine Familie (darunter auch seine Mutter) zurückweist und stattdessen seine Jünger als Familie bezeichnet, erkennbar, dass Jesu Liebe ihn nicht unbedingt Scheu vor Konfrontationen und Unhöflichkeiten macht. Dass von ihm eine Leidenschaft ausging, die ihn manches Mal dazu brachte, andere vor den Kopf zu stoßen, empfinde ich immer als sehr inspirierend, da diese Geschichten mich dazu anregen, Jesus auch von neuen Perspektiven sehen und verstehen zu wollen.

Und doch gibt es die eine Stelle in Matthäus 15, 21-28, die für mich besonders herausfordernd ist und mein Jesusbild manchmal stärker verzerrt. Es geht um das eine Mal, als Jesus mit seiner Gefolgschaft auf Reisen war, von einer kanaanitischen Frau angesprochen wird, die um seine Hilfe für ihre notleidende Tochter fleht. Jesus gibt keine Antwort. Seine Jünger schalten sich ein und wollen von ihm, dass er ihre Bitte erfüllt und sie damit los wird. Oberflächlich gesehen scheinen sie sich auf die Seite der Kanaaniterin zu schlagen, doch dahinter wird deutlich, dass es ihnen nicht um die Notlage dieser Frau geht, sondern um die eigene Unannehmlichkeit, von ihrem Hilfesuchen belagert zu werden.

Die kanaanitische Frau muss sich vor Jesus erst zu Boden werfen, bis dieser schließlich das Wort an sie richtet und sagt „Es ist nicht recht, den Kindern das Brot wegzunehmen und es den Hunden zu geben.“ Jesus redet gerne in Gleichnissen und sicherlich sollte man dabei bedenken, dass es diese Art der Vergleiche grundsätzlich etwas verallge­meinernd sind und man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen sollte – aber diese Frau mit Hunden zu vergleichen? Weil sie nicht zu der Gruppe von Menschen gehört, für die Jesus gekommen zu sein scheint? Es fühlt sich für mich merkwürdig an, diese Worte zu lesen und dabei zu wissen, dass sie Jesus zugeschrieben werden. Andererseits denke ich aber auch, dass Jesus gegenüber den Jüngern zumindest den Vorteil hat, dass er diese Frau nicht mit einem halbherzigen Entgegenkommen abzuwinken versucht, sondern durch seine direkte Abfuhr eine ernsthafte Auseinandersetzung zwischen den beiden ermöglicht. Die Kanaaniterin nutzt die Gelegenheit. So herabsetzend dieser Vergleich wirken mag, sie bleibt in dieser Art zu denken, und argumentiert, dass doch auch die Hunde noch die Reste der Mahlzeit bekommen würden. Ein intelligenter Einwand – gerade, wenn man sich vor Augen führt, in welcher emotional aufwühlenden Situation sie sich gerade befinden muss. – Und es funktioniert! Jesus lässt sich von ihr überzeugen und heilt ihre Tochter. Er ändert seine Meinung. Er lernt dazu. Und genau dieser Punkt ist es, der diese Geschichte für mich so wertvoll macht.

Es gibt einige Stellen, in denen Jesus für mich irritierend anders ist, und das stört mich nicht. Ich denke, es hält den eigenen Glauben lebendig und dynamisch, wenn man sich nicht der Illu­sion hingibt, Jesus bereits verstanden zu haben, sondern man stattdessen die Puzzleteile kennt, die noch nicht wirklich in das Gottes- und Jesusbild passen, welches man sich bisher erarbeitet hat. Hieraus ergibt sich die Gelegenheit, nicht abzuschließen, sondern offen für neue Gedanken, Anregungen und Erfahrungen zu werden, die den eigenen Glauben noch prägen werden. Doch aus irgendeinem Grund empfinde ich die Vorstellung, dass Jesus einen rhetorischen Schlagabtausch verliert und von einem anderen Menschen dazulernt, manchmal als ein besonders merkwürdiges Puzzleteil, das irgendwie aus einem anderen Puzzleset zu stammen scheint.

Beißt sich das mit der Vorstellung von einem Gott, der in allen Zeiten derselbe war, ist und sein wird? Macht es Jesus weniger vollkommen? Passt es zu ihm als Messias und Sohn Gottes, dass er von einem anderen Menschen eines Besseren belehrt wird? Oder steckt hinter all diesen Fragen nicht auch eine sehr defizitbezogene Vorstellung vom Ändern der eigenen Einstellung? Als würde der Umstand, dass man vorher noch nicht die richtige Meinung vertreten hat, schwerer wiegen als das In-Beziehung-treten, der Respekt für das Gegenüber und die Fähigkeit zur Selbstreflexion, was dafür notwendig ist, dass man Ansichten, die man vertritt, auch in neuen Erfahrungen und Gesprächen anpassen und verändern kann.

Ich glaube daran, dass Jesus, so souverän und verlässlich wie er ist, sich in Kontakt mit uns auch überraschen, erstaunen und begeistern lässt und es gibt einige Geschichten in der Bibel, in denen das auch angedeutet wird. Wenn sich Jesus also im Kontakt zu anderen Menschen emotional auf sie einlässt und bereit ist, sein Verhalten an ihres anzupassen und auf das einzugehen, was sie zu sagen haben – ist es dann noch so weit entfernt zu denken, dass er auch für ihre Ansichten, Argumente und Anregungen offen ist? Mit diesem Blick auf Jesus ist es möglich, nicht nur das Lieben und das Leben, sondern auch das Lernen von ihm zu lernen.

M. Esau