Was die Person Jesus für uns Christinnen und Christen in seinem Wirken unter uns Menschen so bedeutend macht, ist nicht zuletzt die Tatsache, dass er die Gute Nachricht nicht nur gepredigt, sondern auch radikal gelebt und in seinen Taten verwirklicht hat. Wir glauben an einen liebevollen Heiland in Wort und Tat. Dennoch ist durch Geschichten, laut denen Jesus Geschäftstüchtige aus dem Tempel vertreibt oder seine Familie (darunter auch seine Mutter) zurückweist und stattdessen seine Jünger als Familie bezeichnet, erkennbar, dass Jesu Liebe ihn nicht unbedingt Scheu vor Konfrontationen und Unhöflichkeiten macht. Dass von ihm eine Leidenschaft ausging, die ihn manches Mal dazu brachte, andere vor den Kopf zu stoßen, empfinde ich immer als sehr inspirierend, da diese Geschichten mich dazu anregen, Jesus auch von neuen Perspektiven sehen und verstehen zu wollen.

Und doch gibt es die eine Stelle in Matthäus 15, 21-28, die für mich besonders herausfordernd ist und mein Jesusbild manchmal stärker verzerrt. Es geht um das eine Mal, als Jesus mit seiner Gefolgschaft auf Reisen war, von einer kanaanitischen Frau angesprochen wird, die um seine Hilfe für ihre notleidende Tochter fleht. Jesus gibt keine Antwort. Seine Jünger schalten sich ein und wollen von ihm, dass er ihre Bitte erfüllt und sie damit los wird. Oberflächlich gesehen scheinen sie sich auf die Seite der Kanaaniterin zu schlagen, doch dahinter wird deutlich, dass es ihnen nicht um die Notlage dieser Frau geht, sondern um die eigene Unannehmlichkeit, von ihrem Hilfesuchen belagert zu werden.

Die kanaanitische Frau muss sich vor Jesus erst zu Boden werfen, bis dieser schließlich das Wort an sie richtet und sagt „Es ist nicht recht, den Kindern das Brot wegzunehmen und es den Hunden zu geben.“ Jesus redet gerne in Gleichnissen und sicherlich sollte man dabei bedenken, dass es diese Art der Vergleiche grundsätzlich etwas verallge­meinernd sind und man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen sollte – aber diese Frau mit Hunden zu vergleichen? Weil sie nicht zu der Gruppe von Menschen gehört, für die Jesus gekommen zu sein scheint? Es fühlt sich für mich merkwürdig an, diese Worte zu lesen und dabei zu wissen, dass sie Jesus zugeschrieben werden. Andererseits denke ich aber auch, dass Jesus gegenüber den Jüngern zumindest den Vorteil hat, dass er diese Frau nicht mit einem halbherzigen Entgegenkommen abzuwinken versucht, sondern durch seine direkte Abfuhr eine ernsthafte Auseinandersetzung zwischen den beiden ermöglicht. Die Kanaaniterin nutzt die Gelegenheit. So herabsetzend dieser Vergleich wirken mag, sie bleibt in dieser Art zu denken, und argumentiert, dass doch auch die Hunde noch die Reste der Mahlzeit bekommen würden. Ein intelligenter Einwand – gerade, wenn man sich vor Augen führt, in welcher emotional aufwühlenden Situation sie sich gerade befinden muss. – Und es funktioniert! Jesus lässt sich von ihr überzeugen und heilt ihre Tochter. Er ändert seine Meinung. Er lernt dazu. Und genau dieser Punkt ist es, der diese Geschichte für mich so wertvoll macht.

Es gibt einige Stellen, in denen Jesus für mich irritierend anders ist, und das stört mich nicht. Ich denke, es hält den eigenen Glauben lebendig und dynamisch, wenn man sich nicht der Illu­sion hingibt, Jesus bereits verstanden zu haben, sondern man stattdessen die Puzzleteile kennt, die noch nicht wirklich in das Gottes- und Jesusbild passen, welches man sich bisher erarbeitet hat. Hieraus ergibt sich die Gelegenheit, nicht abzuschließen, sondern offen für neue Gedanken, Anregungen und Erfahrungen zu werden, die den eigenen Glauben noch prägen werden. Doch aus irgendeinem Grund empfinde ich die Vorstellung, dass Jesus einen rhetorischen Schlagabtausch verliert und von einem anderen Menschen dazulernt, manchmal als ein besonders merkwürdiges Puzzleteil, das irgendwie aus einem anderen Puzzleset zu stammen scheint.

Beißt sich das mit der Vorstellung von einem Gott, der in allen Zeiten derselbe war, ist und sein wird? Macht es Jesus weniger vollkommen? Passt es zu ihm als Messias und Sohn Gottes, dass er von einem anderen Menschen eines Besseren belehrt wird? Oder steckt hinter all diesen Fragen nicht auch eine sehr defizitbezogene Vorstellung vom Ändern der eigenen Einstellung? Als würde der Umstand, dass man vorher noch nicht die richtige Meinung vertreten hat, schwerer wiegen als das In-Beziehung-treten, der Respekt für das Gegenüber und die Fähigkeit zur Selbstreflexion, was dafür notwendig ist, dass man Ansichten, die man vertritt, auch in neuen Erfahrungen und Gesprächen anpassen und verändern kann.

Ich glaube daran, dass Jesus, so souverän und verlässlich wie er ist, sich in Kontakt mit uns auch überraschen, erstaunen und begeistern lässt und es gibt einige Geschichten in der Bibel, in denen das auch angedeutet wird. Wenn sich Jesus also im Kontakt zu anderen Menschen emotional auf sie einlässt und bereit ist, sein Verhalten an ihres anzupassen und auf das einzugehen, was sie zu sagen haben – ist es dann noch so weit entfernt zu denken, dass er auch für ihre Ansichten, Argumente und Anregungen offen ist? Mit diesem Blick auf Jesus ist es möglich, nicht nur das Lieben und das Leben, sondern auch das Lernen von ihm zu lernen.

M. Esau

Wer möchte das nicht. Zeigen was in einem steckt.

Das Kind zeigt den Eltern, was es schon kann, der heranwachsende Teenager seinen Freunden.
Der junge Erwachsene hebt hervor, dass er auch allein gut klarkommt und die Ratschläge der Eltern nicht benötigt. Die weiteren Entwicklungen eines Menschen könnt ihr euch sicherlich aus eigener Erfahrung oder Beobachtungen ausmalen.
In der Freundschaft, dem Verliebtsein, dem Eltern-sein und dem Älterwerden.

Seine Fähigkeiten und Kompetenzen erblicken lassen, zur vollen Blüte gelangen.
An dem Leitbildwochenende prägte uns als Leitungskreis das Bild der Seerosen im Meer der Möglichkeiten.

Das Faszinierende an diesem Bild ist für mich, dass jede einzelne Seerose mit Ihrer Schönheit dieses Bild mitprägt.

Das Bild wäre ein anderes, wenn ein Teil der Seerosen unter Wasser blieben und sich nicht „trauten“ hervorzuwachsen.
Die Farbenpracht und Schönheit würde nicht so sein wie es möglich wäre.

Wenn ich dieses Bild auf die Gemeinde übertrage, hat es damit zu tun,
dass jeder in der Gemeinde eine Seerose darstellt, die sich im Meer der Möglichkeiten blicken lässt.

Paulus wendet sich mit folgenden Worten an seinen Zieh-Sohn Timotheus. 1. Tim. 1,6-7

Aus diesem Grund erinnere ich dich an die Gabe, die Gott dir in seiner Gnade geschenkt hat, als ich dir die Hände auflegte. Lass sie zur vollen Entfaltung kommen!  Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Ängstlichkeit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Gemeinde ist demnach ein Ort der Entfaltung dessen, was ich habe, was Gott mir geschenkt hat. Am besten in einem Umfeld, in der die Angst nicht vorherrschend ist.

Ich möchte den Begriff der Gabe etwas ausweiten. Es ist einerseits etwas, was Gott mir in seinem Wohlwollen schenkt, eine Fähigkeit, Gottes Wesen in meinem praktischen Leben sichtbar zu machen.

Das hat andererseits auch viel mit meiner Persönlichkeit und Prägung zu tun. Wer ich bin, was treibt mich an und was bremst mich.

Das kann die Freude an der Freiheit „Dinge auszuprobieren“ sein. Wie wertvoll sind Menschen, die diese Freiheit leben. Sie packen und sprechen an, wo andere eher gehemmt sind. Daraus kann eine ansteckende Lebendigkeit im Miteinander entstehen. Gott ist ein Gott der Freiheit und freut sich an diesen Menschen. Versuche mal in der Bibellese, aber auch im Miteinander, ein Gefühl für diese Menschen und ihre Wichtigkeit zu entwickeln.

Es kann aber auch die Fähigkeit sein, Ordnung in ein Chaos zu bringen. Sie empfinden die größte Freude dran, Pläne, Listen und Termine zu machen. An Ihrer Seite gibt es klare „Fronten“ und man weiß immer, wo man steht und wohin man geht. Gerade dann, wenn die o. g. Lebendigkeit überhandnimmt und die Struktur eines Planes nicht mehr sichtbar ist.
In Zeiten, wenn etwas Neues beginnt.
Ein neues Jahr muss geplant werden, ein neues Team formiert sich, es muss etwas termingerecht erledigt werden. Das kann auf diesen Wegen sehr wertvolle Sicherheit und Ruhe bringen. Man kann sich wirklich zurücklehnen, weil u. a. die Zuständigkeit klar ist.
Gott sei Dank gibt es auch Menschen mit dieser Gabe.

Was wäre unsere Gesellschaft ohne Menschen, die die Fähigkeit haben, sich Menschen zuzuwenden. Sie schaffen eine Atmosphäre der Annahme und der Wertschätzung. Es tut einfach gut und man fühlt sich wohl, diesen Menschen, besonders in herausfordernden Zeiten, zu begegnen. Was für ein Privileg, solche Menschen im stark strukturierten und leistungsorientierten Alltag zu erleben. Es fühlt sich an wie eine Oase, bei der man auftanken kann.

Zu guter Letzt denke ich an Menschen, die sich in einem leistungsorientierten Alltag richtig wohl  fühlen. Sie können Aufgaben erledigen, sich in Themen hineindenken und strittige Auseinandersetzungen mit Distanz angehen. Konzepte schlüssig und verständlich ausarbeiten und klar formulieren ist ihre Stärke. Wer möchte darauf verzichten?

Das Beste ist demnach das, woran ich Freude habe und was ich gerne mache. Es ist ein Geschenk Gottes, der es gut mit mir meint. Dann darf ich es auch gut mit mir meinen und muss keine Angst haben und es zurückhalten. Damit kann ich ein Teil des Wesens und der Schönheit Gottes in dieser Welt ausdrücken. Mit „aus sich herauslocken“ meine ich, dass die Entfaltung dieser Gaben meine Entscheidung ist und in kleinen Schritten geschieht. Das „Lockmittel“ ist die Freude, die daraus entsteht und die Einsicht, dass es ein Geschenk Gottes ist.

Mit diesen Ausführungen möchte ich Mut machen, ein Gefühl für das „Beste“ in einem zu entwickeln und dies auch in kleinen Schritten zum Ausdruck zu bringen.

Gerade in diesen Tagen denken wir daran, dass Gott uns in Jesus entscheidend entlastet. Jesus stirbt an unserer Stelle und zeigt damit so klar, dass wir Geliebte und Angenommene sind, trotz allem. Das ist die beste Grundlage dafür, dass Gott in unserem Leben sichtbar wird.

B. Driesner

Gleichsam wie vom Atmen, Essen und Trinken, ist unser Leben seit der Geburt vom Bedürfnis nach Schlaf geprägt. Ich erinnere mich noch, wie gerne ich meine Kinder im Säuglingsalter betrachtet habe, wenn sie friedlich schliefen. Nicht selten wirkten damals diese Beobachtungen auch auf uns Eltern einschläfernd. Noch schnell eine Mütze Schlaf nachholen, die einem in der Nacht nur unter Vorbehalt vergönnt war. Wusste man doch nur allzu gut, dass jeder liebliche Schlaf ein jähes Ende finden konnte. So köstlich die Momente des Einschlafens dann waren, so quälend konnten die Augenblicke des „Gewecktwerdens“ dann werden. Humorvoll und unbedacht hatten wir noch vor der Geburt zitiert: Den seinen gibt’s der HERR im Schlaf! Gefühlt fehlte nun der Schlaf, in dem man beschenkt werden konnte. Aber wie gesagt, nur gefühlt! Denn so wie viele vor uns und auch viele nach uns, erlebten wir, wie unsere Kinder (wie wir selbst wohl einst auch) durchschlafen „lernten“.

Das mit dem Durchschlafen ist aber schon eine seltsame Sache. Obgleich man es wohl in der Kindheit gelernt haben sollte, scheint mich diese Fähigkeit bisweilen zu verlassen. Es sind diese Momente, wo die Matzratze weich, die Decke warm und das Kissen kuschelig sind … doch die Welt, meine innere Welt im Halbschlaf, so unendlich besorgniserregend und ungemütlich an mir zupft und kratzt. Es gibt dann z.B. plötzlich und scheinbar noch sooo viel zu erledigen. Offenbar unerledigte Dinge wachsen dann zu gewaltigen Schattenbergen heran und buhlen wie Vernachlässigte um meine Aufmerksamkeit. Ja, manchmal halten mich diese fiesen Schatten mit einer überzeugend trügerischen Heiligkeit fest und scheinen mir zu sagen: Wir lassen dich nicht, es sei denn, du segnest uns. Ein Ringen und ein Kämpfen…im Halbschlaf. Ein Hunger, ja eine tiefe Sehnsucht nach Ruhe. Angst! Wann nimmt dieser Zustand ein ENDE??? – Manchmal stehe ich dann auf, atme trinke und esse eine Kleinigkeit. Ärgere mich darüber, dass ich nicht richtig schlafen konnte … lege mich dann wieder hin und denke: Am besten wäre es, wenn ich später nicht zur Arbeit müsste. Wochenende! Jaaa, das wäre super! Ausschlafen! Der Moment, wenn man irgendwie wach wird und dann der Schlaf einen unwiderstehlich erneut in die friedlichen Tiefen seines Reiches zieht, geheimnisvoll stärkt und gesegnet wieder entlässt.

A. Esau

Die Botschaft vom Reich Gottes gehörte zum Zentrum der Verkündigung von Jesus. Reich Gottes – das ist die Herrschaft Gottes im Leben einzelner Menschen, aber auch im ganzen Universum. Die Hoffnung, dass dieses Reich Gottes, in dem Gerechtigkeit herrscht, das Böse überwunden ist, der Mensch dem Menschen Freund und Bruder ist, kommen wird – das gehört zum Kern der christlichen Hoffnung.

Dieses Reich Gottes ist aber auch jetzt schon im Kommen. So sagt Jesus es den Menschen, die danach fragen, wo es denn zu entdecken wäre: „Das Reich Gottes ist mitten unter euch!“. Es ist schon da, aber noch nicht ganz. Und wenn wir uns die Frage stellen, wie wir die Herrschaft Gottes jetzt schon erleben können, gilt es, diese Spannung zwischen „Schon jetzt“ und „Noch nicht“ aufrechtzuerhalten.

Was kann ich tun, um das, wovon Jesus da spricht, heute schon erleben? Ich will dazu eine Anregung geben, die man auf die einfache Formel „sehen, vertrauen, machen“ bringen könnte.

Die zarten Pflanzen des Guten sehen

Was wir sehen, bestimmt, was wir denken. Wer nur Negatives sieht, wird negatives denken. Wer auf das Schöne sieht, wird Schönheit denken. Wer auf Gutes schaut, kann dankbarer sein. In Joh 9 wird eine Geschichte erzählt, wie Jesus einen Mann geheilt hat, der blind geboren war. An ihm entzündet sich eine unheilvolle Diskussion, wer Schuld war an seinem Zustand und ob dieser Jesus, der ihm geholfen hat, wirklich von Gott war. In dieser Geschichte offenbart der Blindgeborene eine Sehkraft, die es in sich hat und mich immer wieder herausfordert und neu begeistert. Seine Einstellung kurzgefasst: „Gutes kommt von Gott.  Jesus hat mir Gutes getan. Jesus kommt von Gott.“

Ich lerne immer mehr, das Gute, das mir begegnet, Gott zuzuschreiben. Ganz naiv. Ich stelle immer weniger die Frage „Sieht es nur gut aus? Stecken hinter dem Guten ganz andere Motive?“. Ich will lernen zu sehen, dass Gott überall Gutes in dieser Welt bewirkt. Dass er seine Vision von einem neuen Reich nicht nur verkündet, sondern auch stetig verwirklicht.

Dem Blindgeborenen verhalf diese Sicht der Dinge zum Vertrauen an Jesus, den er vorher nicht kannte. Damit sind wir beim zweiten Aspekt.

Auf die Kraft des Reiches Gottes vertrauen

Jesus selbst wirbt in einigen Gleichnissen dafür, sich nicht von Kraft- und Machtdemonstrationen unserer Welt beeindrucken zu lassen. Naturgemäß sind wir beeindruckbar durch körperliche Kraft, militärische Macht, großen Mehrheiten. Wir sind empfänglich für starke Persönlichkeiten, Strahlkraft, Charisma. Jesus lädt aber ein, auf Anderes zu vertrauen: wie ein Senfkorn, unscheinbar, klein und schwach, erscheint das Reich Gottes. Aber es wächst zu einem großen Strauch heran.

Wie der Sauerteigansatz, ganz banal und uninteressant kann Manches wirken, was ein Mensch aus dem Vertrauen zu Gott tut. Aber wenn es von Gott kommt ist es unaufhaltsam und kann eine beliebige Masse durchsäuern.

In Alltagserfahrungen ausgedrückt kann es heißen, dass z. B. ein Mensch, der Vergebung übt, nachhaltiger handelt als einer, der einen Krieg auslöst. Dieses Vertrauen ist alles andere als intuitiv, es ist eine Herausforderung. Aber dieses Vertrauen ist auch eine große Ressource, aus der Handeln entstehen kann.

So leben, als wäre das Reich Gottes jetzt schon wahr

Vor einigen Jahren war ich beruflich in China und lernte dort einen jungen Chinesen kennen, mit dem ich zusammengearbeitet habe. Er hatte in Deutschland studiert und sprach gut deutsch. Eines Tages bot er mir an, mich nach der Arbeit ins Hotel zu fahren, wohin ich sonst immer mit dem Taxi fuhr. Bei der Fahrt war ich ganz erstaunt, dass er einen ganz anderen Fahrstil hatte, als ich das von den Chinesen kannte. Er hielt sich an die Geschwindigkeitsvorgaben, hielt an roten Ampeln, beachtete das Rechtsfahrgebot. Und vor allem: er ließ die Hupe in Ruhe.

Um uns herum wuselte der hektische Großstadtverkehr, die Fahrer der anderen Autos waren merklich genervt – auch von meinem Chauffeur –, aber der ließ sich nichts anmerken. Er fuhr gelassen und souverän weiter und unterhielt sich mit mir über andere Themen.

Irgendwann fragte ich ihn, warum er so ganz anders fährt und sich nicht diesem Treiben um ihn herum anpasst. Er antwortete nur ganz trocken: „Ich habe meinen Führerschein in Deutschland gemacht und so fahre ich auch.“

So könnte man das vielleicht angehen! Wenn wir Gottes Güte in dieser Welt sehen und auf die Kraft seines Wirkens in unserem Leben vertrauen, machen wir unseren „Lebensführerschein“ schon in Gottes neuer Welt. Dann können wir vielleicht auch lernen, ganz unbeeindruckt von dem Treiben um uns herum schon heute nach den neuen Gesetzen und Richtlinien zu leben, als die Welt um uns herum uns diktiert. Vielleicht wäre es möglich, mitten in dem Gehupe „Nur die Harten kommen in den Garten“, „Nur Leistung zählt“, „Wie du mir, so ich dir“, „Wer Geld hat, hat Macht“ usw. ganz souverän und gelassen eine eigene Lebensspur zu befahren und andere Akzente zu setzen.

Und ganz sicher wird man auf diesem Weg ganz hautnah erfahren und erleben können, was Reich Gottes im hier und jetzt bedeuten kann.

H. Esau

Dieser Satz steht am Ende des ersten Korintherbriefs. Die Gemeinde in Korinth war von Paulus gegründet worden und entwickelte sich zu einem Lieblings- und Sorgenkind. Kulturell und sozial sehr vielfältig, entstanden in der Gemeinde die verschiedensten Spannungen. In seinem Brief versucht Paulus, all diese Fragen anzugehen, Hilfe und Orientierung zu geben. Und am Schluss fasst er all seine Bemühungen in diesem einen einfachen Rat zusammen: „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.“
Das klingt ein bisschen so, als würde ein Sternekoch am Ende eines umfangreichen Kochbuchs schreiben „Allet, wat du kochst – tu einfach Maggi bei, dann schmeckt dat schon!“ Das ist einfach zu merken und lädt zum Experimentieren ein.
Also beschloss ich, das einen freien Tag lang auszuprobieren: Jedes Tun und Lassen in Liebe geschehen zu lassen – wie wirkt sich das aus? Für einen kurzen Moment vergaß ich, dass man solche hehren Vorhaben am Besten nur mit sich selbst ausmacht. Oder höchstens auf YouTube bekannt gibt. Auf gar keinen Fall sollte man das vor der eigenen Familie verkünden, was ich leichtsinnigerweise beim Frühstückstisch tat. Prompt kam die Antwort von meiner Tochter: „Das möchte ich sehen, wenn du nachher deine Wäsche zum Trocknen aufhängst und die Katze wieder dran geht!“
Ja, ich muss zugeben: es gibt bei mir im Alltag auch diese dunklen Ecken, in die die Liebe selten hineinscheint. Momente voller Ärger, Verdruss und Katzenhaare. Ich habe es trotzdem probiert und festgestellt, dass dieser einfache Satz die Freiheit des Evangeliums atmet.
Die Freiheit des Tuns
Der erste Freiheitsgrad besteht genau darin: ich bin in meinem Tun nicht beschränkt! Ich darf alles tun! Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, wo mich die Frage beschäftigte: „Was darf ich?“, „Was soll ein Christ tun?“, „Was darf ein Christ nicht tun?“, „Was habe ich falsch gemacht?“.
Die Freiheit des Evangeliums besteht darin, dass ich mich von diesen Fragen lösen kann. Es geht nicht um das was ich tue. Ich darf also auch an meinem Liebes-Experimentiertag alles tun, was ich auch sonst machen würde: Nachrichten lesen, Kaffee trinken, Wäsche waschen. Bass spielen. Prokrastinieren (ein gebildet klingendes Wort für das Aufschieben dringender Aufgaben). Einen erneuten jämmerlichen Versuch unternehmen, mein Büro aufzuräumen. Diesen Artikel schreiben. Mich mit der Familie unterhalten. Essen machen. Essen. Fernsehen.
Die Liebe ändert das wie der Tätigkeit. Ich habe mehr Wertschätzung für die alltäglichen Dinge gespürt. Weniger Druck, etwas fertig zu kriegen und mehr Freude am Tun. Und selbst das Herumfaulenzen kann sich ein bisschen wie Sonnenbaden in der Liebe Gottes anfühlen.
Die Freiheit des Geliebt-seins
Und das ist auch schon der zweite Freiheitsgrad! Mein erster Impuls bei diesem Satz war: ich sollte mehr lieben. Aber im Grunde geht es gar nicht um meine Liebe. Es geht in erster Linie um die Liebe, die mir geschenkt wurde. Mir klarzumachen, dass ich ein geliebter Mensch bin – von Gott und sogar von manchen Menschen, – das eröffnet einen neuen Raum, in dem ich mich bewegen darf.
Das Geliebt-sein verändert die Art, wie ich in die Interaktion mit Menschen gehe. Ich unterstelle weniger Schlimmes und sehe mehr das Positive und Gute in Menschen. Ich bin schmerztoleranter bei Verletzungen. Mutiger bei neuen Begegnungen. Ich kann mit Stress und Druck besser umgehen. Ich bin dankbarer. Mir fällt es leichter, Prioritäten zu setzen und den Sinn hinter den Dingen und Tätigkeiten zu erkennen.
Und so seltsam das auch klingt: selbst einen Streit kann man als geliebter Mensch anders führen – mit weniger Verbitterung und konstruktiver. Das Geliebt-sein öffnet mir neue Räume mit neuen Horizonten. Ich habe die Freiheit, ganz anders, an Dinge heranzugehen.
Die Freiheit des Liebenden
Der dritte Freiheitsgrad: Ich darf neue Liebe entdecken, wo ich sie nicht gesehen habe. Wenn ich Liebe nicht aus mir heraus produzieren muss, kann ich lernen, wie mein Geliebt-sein in mir neue Liebe schafft.
Ich kann Marotten an meinen Liebsten lieben lernen, die ich vorher vielleicht therapieren wollte. Ich kann auch den langweiligen und mühseligen Aufgaben des Alltags einige schöne Aspekte abgewinnen. Ich lerne, mein Tun mehr zu lieben als die Sehnsucht nach dem Ergebnis. Ich kann Menschen lieben lernen, die ich vorher nicht mochte. Sogar den Typen im Spiegel.
Neu und anders lieben zu können, ist wie die Entdeckung eines neuen Lebensraums, das Erlernen einer neuen Sprache oder das Benutzen eines passenderen Instrumentes für die Herausforderungen des Alltags. Es eröffnet mir ganz neue Möglichkeiten, gibt mir mehr Freiheit und Sicherheit im Alltag.

„Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe“ – das ist ein Satz mit Gewicht. Er romantisiert nicht den grauen Alltag, er verschleiert nicht die Probleme des Lebens, er überfordert nicht mit unerfüllbaren Ansprüchen. Dieser Satz, im Licht des Evangeliums verstanden, atmet Freiheit und hat Potenzial zu großen Veränderungen.
Übrigens: der Wunsch meiner Tochter ist noch am selben Tag in Erfüllung gegangen. Sie war dabei und konnte sehen, wie die Katze abends wieder an meine frische Wäsche gegangen ist. Und wie ich meinen Hausschuh nach ihr warf. Und wie das mit deutlich mehr Liebe als üblich geschah.
Ich wünsche allen ein gesegnetes und Liebe-volles neues Jahr!
Heinrich Esau

Seit meiner Kindheit fasziniert mich der Nachthimmel. Gerade zum Anbruch der Winterzeit komme ich wieder öfter in den Genuss, an wolkenlosen Abenden nach oben zu sehen und die praktisch endlosen Tiefen des Kosmos auf mich wirken zu lassen. Ich denke an die vielen Objekte, die hunderte Male größer, um ein Vielfaches heißer, oder einfach nur sehr viel merkwürdiger sind als unsere Sonne. Und dann versuche ich, mir eine Vorstellung von den Lichtjahren an Entfernungen zu machen, die zwischen den einzelnen Lichtern liegen und davon, wie unwahrscheinlich klein unser Planet und ich erst recht im Vergleich zu all dem sind. Jedes Mal, wenn ich das versuche, scheitere ich daran. Was ich über das Universum weiß ist zu gewaltig, zu groß, um für mich begreifbar zu sein und wann immer ich diese Erfahrung erlebe, packen mich das Staunen und die Ehrfurcht wieder ein wenig.

Ich erlebe Gott mal als Freund, mal als Vater, mal als Tröster und in Momenten wie diesen auch als Schöpfer. Gott selbst kann ich nicht fassen, aber über Eindrücke wie den eines Ausblickes von einem Berg, den man gerade bestiegen hat, oder den eines Tieres, das in seiner Andersartigkeit so kreativ und einzigartig geschaffen wurde, ist es möglich, das Wirken Gottes als Schöpfer zu erahnen und ihm zu begegnen. Doch neben all dem Großen und Atemberaubenden dieser Welt ist es vor allem ein unscheinbarer Bibelvers, durch den mich der Schöpfergott besonders bewegt.

In Genesis 3 wird anhand von Adam und Eva das Dilemma beschrieben, dass die Menschen auch in einer Welt, die gut geschaffen ist, die Freiheit brauchen, sich selbstbestimmt dem Guten gegenüber zu positionieren und so auch die Möglichkeit haben, einander zu schaden. Als es nun dazu kommt, dass die beiden den Garten verlassen müssen, folgt der aus meiner Sicht leicht zu unterschätzende Vers 21, der da lautet: „Und Gott, der HERR, machte für den Menschen und seine Frau Kleider aus Fellen.“ Zur Erinnerung: die Schilderung des Lebens im Garten Eden endet in Genesis 2, Vers 25 mit der Zuspitzung „Die beiden waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander.“ Ein Sinnbild dafür, dass in einer Welt, in der die Beziehungen des Menschen zu Gott, zu seinen Nächsten und zu sich selbst intakt sind, keine Notwendigkeit besteht, Teile seines Selbst verdeckt zu halten und vor anderen zu verbergen.

Doch der dargestellte Bruch in der Beziehung zu Gott führt nicht zuletzt auch zu einem Vertrauensbruch zwischen den Menschen, was besonders daran deutlich wird, dass Adam, als er von Gott konfrontiert wird, seine Frau beschuldigt, ihm die Frucht gegeben zu haben. In dieser Situation der Brüchigkeitserfahrung und des Misstrauens kommt in den Menschen die Scham als Schutzmechanismus zum Vorschein, der sie dazu bringt, sich dem anderen gegenüber stärker zu verschließen. Das Bedürfnis nach Kleidung ist in dieser Geschichte ein Resultat der Sündhaftigkeit des Menschen.

Was bedeutet es also, wenn Gott für die Menschen in Genesis 3, Vers 21 Kleidung aus Fellen macht? Es scheint kein großer Aufwand dahinter zu stecken und das Geschaffene selbst ist im Vergleich zu allem anderen, was Gott vollbracht hat, so banal und klein – etwa Alltägliches wie schlichte Bekleidung. Es ist noch nicht einmal der Fall, dass Gott etwas aus dem Nichts heraus geschaffen hat. Bei diesem Vorgang geht es lediglich darum, dass etwas, was bereits existiert, zu einem nützlichen Gegenstand umgeformt wird. Die Menschen wären auch alleine zu so etwas fähig. Warum halte ich diesen Vers also für besonders?

Wann immer Gott zuvor als Schöpfer tätig war, so geschah das meist unabhängig vom Menschen. Die Welt würde auch ohne uns (häufig sogar noch besser) funktionieren und in den Momenten, in denen Gott uns selbst oder etwas für uns schafft, sind wir Objekte oder Beschenkte anstatt aktiv Beisteuernde. Bei der Herstellung von Kleidung in diesem Fall ist das aber anders. Wäre es bei Gottes Vorstellungen geblieben, wäre der Bedarf dafür wohl gar nicht erst entstanden. Es sind die Menschen, von denen diese Notsituation ausgeht und anstatt dass sich Gott von ihnen abwendet, als sie das, was er für sie vorgesehen hat, verwerfen, passt er sich in seinem Handeln an sie an. Gott verwirft die gute Schöpfung nicht, wenn sie durch den Menschen brüchig wird. Er verlässt den Menschen nicht, wenn dieser den Anforderungen, die Gott an ihn stellt, nicht gerecht werden kann. Gott nimmt die Bedürfnisse des Menschen, die aus seiner Brüchigkeit folgen, ernst und kümmert sich um sie.

Es mag frustrierend sein mitanzusehen, wie das Gute, das Gott in die Welt gesetzt hat – einen Planeten, der Leben ermöglicht, eine enorme Arten- und Pflanzenvielfalt, die Wesenszüge und Gaben jedes Menschen in seiner Einzigartigkeit – durch menschliche Einflüsse gestört, zurückgehalten und gefährdet wird. Doch dieser Vers in Genesis 3 vermittelt vor diesem Hintergrund eine wertvolle Botschaft: Trotz allem, was es an Schlechtem in der Welt gibt, von Gott, dem Schöpfer, geht nicht nur alles aus, es geht auch alles durch Gott, den Schöpfer, weiter!

Marvin Esau

Stille – was bewirkt dieses Wort in genau diesem Moment in dir? Vielleicht ein Entsetzen? Ein Unverständnis? Frust? Sehnsucht? Versuche mal, dir jetzt ein bis zwei Minuten Zeit zu nehmen und einfach stille zu sein; keine Musik, keine Ablenkung, keine Gespräche, kein Tun…

Und nun? Wie geht es jetzt weiter? Diese Frage beschäftigt mich seit Anfang des Jahres, wenn ich an das Thema Stille denke. Stille ist bisher kein großer Teil meines Lebens gewesen, vermutlich sogar gar kein Thema – außer vielleicht beim Schlafen. Wobei auch da viele Nächte sehr laut und unruhig waren aufgrund von Dingen, die man in Träumen verarbeitet hat.

„Stille vor dir, mein Vater. Neue Stille vor dir suche ich, Herr. Stille vor dir, ich höre. Rühre mich an durch dein Wort“ ist ein ganz bekannter Chorus aus einem Lied. Für mich war Stille ein Abstraktum. Ich konnte damit überhaupt nichts anfangen. Immer beschäftigt sein, ein Macher. Dinge nach vorne treiben, anpacken. Das bestimmte mein Leben. In Zeiten körperlicher Herausforderungen durch zum Teil schwere Krankheiten kam ich an den Ort der Stille. Aber war es das? Musste ich immer körperlich „ausgeschaltet“ werden, um Ruhe und besonders Stille zu finden?

Zum Ende des vergangenen Jahres entschied ich mich für eine Woche in ein Kloster zu gehen. Ende Januar war es dann soweit. Ich begab mich auf den Weg in das Jesuitenkloster in Frankfurt in die sogenannte Zukunftswerkstatt. Dort lernte ich, der Stille zu begegnen, sie für mich zu nutzen und sie sogar lieb zu gewinnen.

Eine Geschichte aus dem Alten Testament hat mich während dieser Woche sehr beschäftigt und begleitet. Hier geht es um Elia. Bei Elia geht auch richtig die Post ab. Er führt ein sehr turbulentes und herausforderndes Leben. Stille kennt Elia kaum – so macht es den Anschein.

In 1. Könige 19 jedoch bemüht sich Gott um die Aufmerksamkeit von Elia. Ein heftiger Sturm zog auf, riesige Felsbrocken lösten sich aus dem Berg und wurden zerschmettert. Es muss ein gewaltiges Getöse gewesen sein, wenn Gesteinsmassen abgängig werden und ins Tal runter rauschen. „Doch der Herr war nicht in dem Sturm“ heißt es an der Stelle. Dann bebte die Erde, alles wackelte und Unruhe machte sich breit. „Aber auch im Erdbeben war der Herr nicht.“ Zu guter Letzt entfachte ein Feuer, eine sehr bedrohliche und angsteinflößende Situation, in der es buchstäblich um Leben und Tod geht. „Doch der Herr war nicht darin“ heißt es in Vers 12. Anschließend vernahm Elia ein stilles, sanftes Säuseln und er erkannte die Stimme des Herrn.

Das hat mich irgendwie fasziniert. In dieser Minute werden rund 30 Millionen Minuten Musik bei Spotify gehört. YouTube hat jeden Tag über 1 Milliarde aktive Nutzer und hier werden jede Minute rund 500 Stunden an neuem Videomaterial hochgeladen. Beschäftigt sein oder beschäftigt werden ist in unserer Zeit ein sehr großes Thema. Viel zu schwer schafft man (und hiermit meine ich eigentlich mich an erster Stelle), in die völlige Ruhe und Stille abzutauchen.

Die Zeit im Kloster, ganz ohne Medien, Smartphone, Telefonanrufe und E-Mails hat mich anfänglich sehr herausgefordert. Ich brauchte einige Tage, um in die Stille zu kommen, mich darauf einzulassen. Die Synonyme Sturm, Erdbeben und Feuer für das turbulente Leben legten sich von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde und ich vernahm das stille und sanfte Säuseln und ich hörte immer mehr Gottes Reden.

Ein Zitat von Franz von Sales bewegte mich sehr in diesen Tagen: „Nimm dir jeden Tag eine Stunde Stille vor Gott, außer du hast viel zu tun, dann nimm dir zwei!“ Wow! Ich empfehle dir, dieses Zitat noch einmal zu lesen und tief in dich eindringen zu lassen. Je mehr ich über dieses Zitat nachsinne, bewegt es mein Herz zunehmend und immer mehr kann ich es bejahen. Da steckt eine ganz tiefe Weisheit drin.

Und dennoch fällt es mir sehr schwer im Trubel des Alltags regelmäßig in die Stille zu kommen. Genau deswegen schreibe ich diese Zeilen für mich, um mir das wieder ins Bewusstsein zu rufen. Dr. Johannes Hartl antwortete auf die Frage, wozu wir Stille brauchen, folgendes: „In der Stille werden wir mit dem konfrontiert, was wirklich da ist und das Davonlaufen wird schwieriger. Deswegen ist Stille für jeden wichtig.“

Jesus ging oft in die Stille, zog sich zurück auf einen Berg (hier scheint ein göttliches Prinzip zu gelten) und hatte Stille mit und vor seinem Vater. Wenn es für Jesus so hilfreich war und scheinbar lebensnotwendig zu sein schien, dann glaube ich, dass für mich bzw. uns alle das gleiche gilt. In der Stille liegt eine unglaubliche Kraft. Eine Kraft, die Berge versetzen, Kranke heilen und sogar Tote auferwecken kann. Jesus lebt uns vor, was Stille bedeutet. Ein Jesus, der immer Leute um sich rum hatte und überall wo er hinkam, belagert wurde, suchte seine Kraft in der Stille vor Gott.

Ich möchte mich und euch herausfordern und ermutigen, aktiv die Stille zu suchen. Zurückziehen. Bewusste Zeiten der Stille einbauen. Wenn es hilft Rituale schaffen, die einen täglich daran erinnern. Vielleicht erst ein paar Minuten, dann 10 Minuten, dann eine halbe Stunde und zu guter Letzt vielleicht sogar täglich eine Stunde. Außer du hast viel zu tun, dann nimm dir zwei.

Liebe Grüße und Gottes Segen dabei!

Tim Probsthain

Manchmal bin ich von mir enttäuscht. Nicht unbedingt wegen dem, was ich getan habe, sondern wegen dem, was ich nicht getan habe. Was hätte ich in meinem Leben nicht schon machen oder erreichen können. Ich wäre gern sportlicher und hätte gern einen muskulösen Körperbau. Vielleicht wäre ich beruflich erfolgreicher, wenn ich studiert hätte. Ich möchte in mancher Hinsicht gerne herausstechen und nicht einfach normal sein. Ich möchte mich charmant und wortgewandt an einem Gespräch beteiligen. Doch dann drücke ich mich umständlich und kompliziert aus.

Hin und wieder mach ich mir in einer ruhigen Minute Gedanken, was für ein Vater ich bin. Ich wurde mal als geduldiger Mensch bezeichnet, jedoch habe ich bei den Kindern die Grenzen der Geduld schon häufig weit überschritten.

Wie bin ich als Ehemann in der Beziehung zu meiner Frau?

Wenn gewisse Ding zu tun sind, muss man mich nicht alle halbe Jahre wieder daran erinnern, oder?

Nein, im Ernst. Es gibt Dinge, die ich nicht getan habe und im Nachhinein lieber getan hätte. Oder ich habe nichts gesagt, als es dran war etwas zu sagen.

Auch in der Beziehung zu Eltern oder Freunden gibt es diese Enttäuschung. Es kommen Gedanken des Versagens auf. Ich wäre manchmal gern ein anderer Mensch, der nie etwas Falsches sagt oder tut. Einfach perfekt.

Das Wort Perfekt bedeutet auch Vollendet. Etwas Perfektes ist abschlossen und muss nicht mehr verändert werden. Solange ich jedoch Mensch bin, bin ich nicht vollendet oder perfekt. Es gibt noch Raum für Veränderung.

Auch im Leben als Christ erlebe ich Enttäuschung und Versagen. Es sollte meiner Vorstellung nach anders sein. Lebendiger, kraftvoller, gnädiger. Die Liste könnte ich mühelos noch um viele Punkte erweitern. Der Wunsch nach einem erfüllten und ansteckenden Leben als Christ hat sich nicht so erfüllt, wie ich es mir mal vorgestellt habe.

In Galater 4,19 sagt Paulus: “… bis Christus in eurem Leben Gestalt annimmt.“ Es geht Jesus scheinbar nicht darum, dass ich ein perfekter Nachfolger bin, sondern darum, dass ich bereit bin mich von ihm Stück für Stück verändern zu lassen. Das sind keine neuen Gedanken, die ich mir zum ersten Mal mache. Ich muss mich jedoch immer wieder daran erinnern und es mir vor Augen führen, was das für mich bedeutet und wie ich es in meinem Leben umsetzen kann.

In Kolosser 3,17 heißt es: Und alles, was auch immer ihr tut oder sagt, soll im Namen von Jesus, dem Herrn, geschehen.

Alles, was ich tue und sage soll im Namen von Jesus sein. Dieser Gedanke fordert mich immer mehr heraus, um so länger ich darüber nachdenke. Alles!

Unser Leben besteht aus vielen verschiedenen Bereichen, z. B. Beziehungen, Beruf, Freizeit, Finanzen, geistliches Leben, usw. Die Dinge sind je nach Menschen und Lebenssituationen unterschiedlich. Diese Dinge sind Teile des Lebens und man könnte sie als Kuchendiagramm darstellen, die gemeinsam den vollen Kreis des Lebens zeigen. Ich habe so ein Diagramm in einem Buch gefunden, das ich dieses Jahr im Urlaub zu lesen begann. Die einzelnen Inhalte des Lebens liegen als ‚Kuchenstücke‘ nebeneinander. Und genau diese Wahrnehmung hatte ich manchmal von meinem Leben. Mein geistliches Leben liegt neben den anderen Dingen meines Lebens. Und das fühlt sich für mich nicht richtig an. Ich möchte, dass mein geistliches Leben in allen Lebensbereichen vorhanden ist. Ein besseres Bild, wie ich mir mein Leben vorstelle, ist ein Wagenrad, bei dem das äußere Laufrad das Reich Gottes ist und die anderen Dinge meines Lebens die Speichen des Rades. Somit ist alles mit dem geistlichen Leben verbunden. Dieses Bild ist ein Beispiel für den Vers (Kol. 3,17).

Vielleicht kommen dir diese Gedanken bekannt vor oder du hast ein ähnliches Gefühl in deinem Leben. Dann lass uns gemeinsam neue Wege finden, wie es anders werden kann.

Einige Ideen, wie das praktisch aussehen kann, alles im Namen Jesu zu tun und sagen, können dir vielleicht helfen.

Was tust du als erstes, wenn du morgens wach wirst? Was würde es für dich bedeuten im Namen Jesu aufzuwachen? Sagst du deinem Smartphone als erstes ‚Guten Morgen‘? Wie wäre es mit einem kurzen Gebet, bei dem du Jesus begrüßt?

An dieser Stelle erinnere ich mich an Hans-Peter Royer, der ein Buch mit dem Titel ‚Nach dem Amen bete weiter‘ geschrieben hat. Ich durfte ihn bei einem Bibelseminar kennenlernen. Er erzählte, wie er mit Jesus Kaffee trinken geht und sich mit ihm unterhält, wie mit einem guten Freund. Das Gebet mit Jesus hörte nicht nach dem Amen auf.

Jesus im Laufe des Tages immer wieder anzusprechen und ihm alle Dinge zu sagen, die dir auf dem Herzen liegen – auch die Kleinigkeiten. Ich wünsche dir eine Natürlichkeit – eine Selbstverständlichkeit des Glaubens, die unabhängig von der Situation ist.

Jeder Augenblick ist eine Chance im Namen Jesu zu leben und von ihm zu lernen, wie wir im Reich Gottes Leben können. Versuche Gewohnheiten zu entwickeln, im Laufe des Tages die Gedanken durch Gebet auf Gott auszurichten. Ich denke, dass du an vielen Stellen merken wirst, wie deine Gedanken sich mehr um Gottes Reich drehen werden und weniger um dich.

Manchmal bin ich von mir enttäuscht. Und dann fällt mir ein, dass Jesus mich liebt und annimmt, so wie ich bin. Das tut gut.

V. Goosen

Wer wünscht sich das nicht?

Entlastung im täglichen Leben

-in der Küche, im Auto, im Büro, beim Mutter- und Vatersein, im Alter, im Herzen, in den Gedanken, im Rückblick, im Ausblick, im ….
Die Bundesregierung schnürt Entlastungspakete um die Bürgerinnen und Bürger zu entlasten bei steigenden Kosten.
Mit Bürgergeld, Wohngeld, Gas- und Strompreisbremse sowie Pendlerpauschale
„Wir entlasten Deutschland“ tönt es in den Zeitungen und Nachrichten. Dabei geht es hauptsächlich um finanzielle Entlastung von fast 300 Milliarden Euro derzeit.
Es hat weitreichende Konsequenzen wenn diese Entlastungspakete nicht geschnürt werden. Nicht nur auf den Ausgang der nächsten Wahl, sondern auch in der Haltung der Menschen nicht genug zu haben, nicht versorgt zu sein, ungerecht behandelt worden zu sein.
Unsere Regierung nimmt sehr viel Geld in die Hand um für Entlastung zu sorgen. Täte Sie es nicht, sähe unsere Gesellschaft anders aus. Ärmer, gespaltener, einsamer, kränker, …..?
Entlastung hat viele Facetten. Wie oben beschrieben kann Entlastung auf finanzieller Ebene geschehen, aber auch auf körperlicher Ebene kann Entlastung so manche Blockaden lösen und zu mehr Beweglichkeit führen. Wer will das nicht?
Für eigene Entlastung sorgen. Ich persönlich habe die Tendenz mir zu viel Aufzuladen. Beim Ausräumen des Autos oder dem Tragen von leeren Flaschen in den Keller. Das führt dazu, dass die Körperspannung bis in die letzte Muskelregion, auf ein Höchstmaß ansteigt. Die Aktivierung von neuen Muskelregionen kann eine belebende Erfahrung sein. Kann aber bei übermäßigem Ausleben zu Blockaden und Überlastung führen.
Wer kennt es nicht? Körperliche Überlastungssignale nach einer Umzugshilfe. Nach dem Motto: „Ich schaff das schon“ tragen wir die Waschmaschine mit bloßen Händen die Treppen hinunter oder ein sperriges Sofa einige Stockwerke nach oben. Der Tag danach hat dann seinen ganz eigenen Charakter. Je nachdem wo und wie es zwickt und zwackt. Mit Eisbeutel, Magnesium und Wärmebehandlung versuchen wir dann unseren Schmerz zu lindern. Vielleicht kommt dann noch eine Verhaltenstherapie in unserer Paarbeziehung dazu. Ich belasse es mal dabei. Jeder von euch wird da so seine Erfahrung gesammelt und seine Schlüsse gezogen haben beim nächsten Mal vielleicht auf die einen oder anderen Hilfsmittel zurück zugreifen oder das Motto: „Ich schaff das schon“ etwas genauer zu beleuchten. Möglicherweise kann daraus ein „Wir schaffen das schon“ werden „Ich schaffe das nicht mehr“. Die Entlastung der Gemeinsamkeit und Verbundenheit zulassen. Ich muss nicht alles sofort und alleine schaffen. Oder die Aussage „Du schaffst das schon“ kann uns eine unerträgliche Last aufbürden. Die Erfüllung von Erwartungen unserer Mitmenschen kann uns in eine Enge führen. Wo bleibe ich in diesem Moment? Was schaffe ich, was will ich schaffen? Was darf ich schaffen? Was darf ich liegen lassen, nicht alles in Ordnung halten. Dies kann für Entlastung sorgen wenn ich meine inneren Sätze „auf den Tisch“ lege und darüber nachdenke und vielleicht sogar mit vertrauten Menschen besprechen kann. Die Frage ist: „Wo ist die Last?“ Wo sind meine sensiblen Stellen? An welcher Stelle kippt meine innere Balance in Mühe, Unzufriedenheit, in Traurigkeit, in Zweifel, in Hochmut, in Schuldgefühle, in Bitterkeit, in Einsamkeit? Wo spüre ich die Last des Lebens am stärksten? Was sind die Dinge/Situationen die mir die Freude nehmen? Das heißt natürlich nicht, dass ich immer sprudelnde Freude haben müsste. Auch das kann eine Last sein, spätestens wenn es immer zu geschehen hat. Was engt mich ein? Die Aussagen anderer die ich fraglos übernommen habe? Sind es Botschaften die ich an mich richte? „Du bist schlampig“ „Der Klügere gibt nach“ „Ohne Fleiß kein Preis“ „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ „Ich sollte meinen Eltern gehorsam sein“ „Ich sollte Rücksicht nehmen“ „Ich sollte nicht stolz sein“ „Ich sollte nichts sagen was die Harmonie stört“
Hinter jedem der o. g. Botschaften steckt offensichtlich oder versteckt ein „Ich sollte/müsste“. In diesen Botschaften steckt das Potential einer Überlastung versteckt. Meist wird der Satz „Der Klügere gibt nach“ von Eltern an ihre Kinder gerichtet. Ich persönlich hoffe, dass in diesen Momenten, dass eine oder andere Kind nicht klug sein möchte. Es gibt genügend Momente Menschen ganz klar Grenzen zu setzen und nicht nachzugeben im Sinne von schweigen und zurück haltend sein. Prüft selbst wohin es führt wenn diese Botschaft uns und unser Miteinander immer leitet.
Entlastung kannst du erleben wenn aus dem „Ich sollte nachgeben, fleißig sein, usw.“ ein „Ich will nachgeben, fleißig sein, usw.“ wird. Ergibt es für mich Sinn immer nachgeben zu müssen, fleißig sein zu müssen. Wenn ich darin keinen Sinn sehe werde ich über kurz oder lang unter der Last der Leere leiden.
Entlastung im Gemeindeleben
Wie können wir Entlastung in unserer Gemeinde praktisch erleben und auch in die Gesellschaft weiter tragen?
Mir kommen bei diesem Thema einige Bibelstellen in den Sinn die sich mir aufdrängen:
„Kommet her zu mir alle die ihr mühselig und beladen sein. Ich will euch erquicken“ Matth. 11, 28
„Selig der Mensch, dem der HERR die Schuld nicht zur Last legt“ Ps. 32, 2
Gott steht eindeutig dafür, dass Entlastung geschieht. Der rote Faden des Planes Gottes mit dem Menschen hat mit Entlastung zu tun.
Zum anderen zitieren wir gut und gerne den Vers, dass Jesus uns ruft zu kommen wenn wir mühselig und beladen sind. Er will der Adressat sein für unsere Lasten. Transportieren statt deponieren.
Es macht einen Unterschied ob wir die Lasten unseres Lebens bei uns deponieren oder ob wir diese transportieren. Das Angebot Jesu steht im Raum. So wie ich Jesus kenne wird Jesus sich uns nicht aufdrängen und uns mal eben entlasten. Er lässt uns in unseren o. g. Botschaften und Haltungen zueinander leben. Diese Freiheit gönnt er uns. Er setzt auf unsere Verantwortung entlastend damit umzugehen. In diesem Vers werden wir eingeladen diese Lasten zu Jesus zu bringen, in Worte zu fassen und auszusprechen. Damit nicht allein dazu sein. Eine Einladung an alle Mütter und Väter, alle älteren Menschen die mit Gebrechlichkeiten des Lebens täglich konfrontiert sein. Auch die nach dem Sinn fragenden jungen wie älteren Menschen sind eingeladen die Last der Leere im Gebet und Aussprache Jesus vor die Füße zu „schmeißen“. Auch die Last der Entscheidung, bei so vielen Möglichkeiten der Berufswahl, hat in Jesus einen behutsamen Adressaten der den Druck raus nimmt die ultimativ richtige Entscheidung treffen zu müssen. Zu guter Letzt die Entscheidung für eine Partnerin- einem Partner ist bei Jesus gut aufgehoben. Die Aussprache ganz alleine im Gebet vor Jesus kann die Hemmungen der Scham reduzieren Worte dafür zu finden. Wer das schonmal erlebt hat wird wissen, dass der innere Druck deutlich abnimmt. Es fühlt sich leichter und gelassener an. Wenn ich noch kurz näher auf die Last, die Jesus hier anspricht, eingehen darf, ist die Last gemeint die die Gesetzeslehrer mit ihren vielen Geboten und Forderungen an die Nachfolger Jesu gerichtet haben. Die Menschen haben unter dem Joch der Forderungen der religiösen Elite gelitten. „Unzählige“ Gesetzestexte wurden dafür verfasst um die Menschen zu unterjochen. Eine Gemeinschaft kann unter solchen Umständen zu einer großen Last für den Einzelnen werden. Wenn wir uns in einem „schneller, höher und weiter“ zu Höchstleistungen drillen. Meine Erfahrung ist, dass es nicht offen angesprochen wird, aber unter dem Deckmantel des Glaubens dieser Wettbewerb durchaus spürbar ist. Das kann sich im Gottesdienst, in der Kommunikation und Haltung zu einander zeigen. Kennt ihr das? Vielleicht von anderen Gemeinden? An welchen Stellen können wir für Entlastung sorgen? Wie sieht ein Mensch aus, der Entlastung benötigt? Welche Haltung zueinander kann entlasten? Wir können als Nachfolger Jesu den Raum anbieten, dass Lasten im Gespräch mit einem offenen Ohr transportiert werden und Menschen Entlastung erleben. Dazu kann es hilfreich sein, dass ich mir beispielsweise nach dem Gottesdienst vornehme auf einen Menschen zuzugehen und ihn frage womit er sich gerade beschäftig, wo er Sorgen hat, was gerade leicht oder was schwer ist. Einfach nur zuhören, Verständnis zeigen, Mitfühlen ohne ein „Du sollst“, „Mach mal das oder jenes“. Es geht hier darum sich auf eine Stufe mit den Menschen zu stellen was auch der Wirklichkeit entspricht. Ich wage es mal zu behaupten, dass jeder Gepäck mit sich herumschleppt und es Lasten gibt, die du auf gar keinen Fall alleine schleppen solltest. Um das zu entdecken brauchen wir einander. Damit auf ein entlastendes Gemeindeleben in all seinen Farben und Facetten.
Benno Driesner

Am 14. Mai ist Muttertag.

Laut Wikipedia hat er sich seit 1914 als Tag zur Ehren der Mutter und Mutterschaft etabliert, findet seinen Ursprung jedoch bereits im antiken Griechenland und bei den Römern. In seiner heutigen Form wurde er in zahlreichen Frauenbewegungen und –vereinen geprägt. Sie dienten zum Austausch untereinander, setzten sich für Friedensprojekte wie auch Frauenrechte ein.

Als Begründerin gilt eine amerikanische Methodistin, die im Gedenken an ihre verstorbene Mutter ihre Kirche dazu drängte, allen Müttern am zweiten Mai-Sonntag eine Andacht zu widmen und 500 weiße Nelken zu verteilen (1908). Allerdings hat sie die Kommerzialisierung nicht im Sinn gehabt und sich vom Feiertag abgewendet.

Doch – was ist eine Mutter und was macht sie aus?

Bleiben wir bei Wikipedia – Mutterschaft unterscheidet sich in drei Aspekte: biologische (Eizelle), rechtliche (in Deutschland: Frau, die das Kind geboren hat) und soziale Elternschaft.

Bei der sozialen Mutterschaft wird einem Kind Mutterliebe entgegengebracht und beinhaltet meist auch die Pflege und Erziehung des Kindes. Die Rolle der sozialen und biologischen Mutterschaft muss hierbei nicht zwingend von derselben Person übernommen werden (z.B. Patchworkfamilie, Adoption, Erziehung durch die Großmutter).

Auch in der Bibel finden wir das ein oder andere, z.B. mehrere Anweisungen für christliche Mütter:

24/7 Bereitschaftsdienst

Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder schläfst. (5. Mose 6,6-7)

Engagement

Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht sie in der Zucht und Weisung des Herrn! (Epheser 6,4)

Lehramt

Er hat mit Israel einen Bund geschlossen, den Nachkommen Jakobs seine Weisungen gegeben. Er hat unseren Vorfahren befohlen, ihren Kindern davon zu erzählen, damit auch die folgende Generation es erfährt, die Kinder, die noch geboren werden. Und wenn sie selbst Eltern geworden sind, sollen sie es weitergeben an ihre Kinder. (Psalm 78,5-6)

Denkt an den Tag, als ihr am Berg Horeb vor dem Herrn, eurem Gott, gestanden habt. Der Herr hatte zu mir gesagt: »Rufe das ganze Volk zusammen! Sie sollen hören, was ich ihnen zu sagen habe, und sollen lernen, mich und meine Weisungen ernst zu nehmen, die ganze Zeit, die sie in ihrem Land leben. Sie sollen auch ihre Kinder dazu anhalten… (5. Mose 4,10)

Life-Coach

Bring einem Kind am Anfang seines Lebens gute Gewohnheiten bei, es wird sie auch im Alter nicht vergessen. (Sprüche 22,6)

Wir haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Hat jemand prophetische Rede, so übe er sie dem Glauben gemäß. Hat jemand ein Amt, so versehe er dies Amt. Ist jemand Lehrer, so lehre er. Hat jemand die Gabe, zu ermahnen und zu trösten, so ermahne und tröste er. Wer gibt, gebe mit lauterem Sinn. Wer leitet, tue es mit Eifer. Wer Barmherzigkeit übt, tue es mit Freude. (Römer 12,6-8)

Aufsichtsperson

Und da habt ihr schon die ermutigenden Worte vergessen, die Gott an euch, seine Kinder, gerichtet hat: »Nimm es an, mein Sohn, wenn der Herr dich hart anfasst! Verlier nicht den Mut, wenn er dich schlägt! Denn wen der Herr liebt, den erzieht er mit Strenge; und wen er als seinen Sohn annimmt, dem gibt er auch Schläge. (Hebräer 12,5-6)

Erzieh deine Kinder mit Strenge, dann kannst du Hoffnung für sie haben; lass sie nicht in ihr Verderben laufen. (Sprüche 19,18)

Kinder neigen zu Dummheiten; strenge Erziehung wird sie davon heilen. (Sprüche 22,15)

Erziehe deinen Sohn mit Strenge, dann wird er für dich zur Quelle der Zufriedenheit und Freude. (Sprüche 29,17)

Pflegedienst

Seid freundlich und hilfsbereit zueinander und vergebt euch gegenseitig, was ihr einander angetan habt, so wie Gott euch durch Christus vergeben hat, was ihr ihm angetan habt. (Epheser 4,32)

Der Geist Gottes dagegen lässt als Frucht eine Fülle von Gutem wachsen, nämlich: Liebe, Freude und Frieden, Geduld, Freundlichkeit und Güte, Treue (Galater 5,22)

Euch allen schließlich sage ich: Haltet in derselben Gesinnung zusammen und habt Mitgefühl füreinander! Liebt euch gegenseitig als Brüder und Schwestern! Seid gütig und zuvorkommend zueinander! Vergeltet Böses nicht mit Bösem, und gebt Beleidigungen nicht wieder zurück! Im Gegenteil, segnet eure Beleidiger, denn Gott hat euch dazu berufen, seinen Segen zu empfangen. (1. Petrus3,8-9)

Vorbild durch Integrität

Ihr wisst ja selbst, dass ihr auch darin unserem Beispiel folgen sollt. Denn wir haben uns nicht vor der Arbeit gedrückt, als wir bei euch waren. (2. Thessalonicher 3,7)

Nehmt also Gott zum Vorbild! Ihr seid doch seine geliebten Kinder! Euer ganzes Leben soll von der Liebe bestimmt sein. Denkt daran, wie Christus uns geliebt und sein Leben für uns gegeben hat, als eine Opfergabe, an der Gott Gefallen hatte. (Epheser 5,1-2)

Gut, einiges dürfen (und sollten) wir heute nicht mehr wörtlich nehmen; andere Zeiten, andere Sitten halt. Aber mir fällt auf, dass die Worte sich nicht nur an die Mutter richten. Es werden alle angesprochen, sich um Erziehung der Kinder und Nachkommen zu kümmern.

Und auch ich habe für mich festgestellt: Wo wäre ich ohne meinen Partner, meine Eltern, Geschwister, Freunde, die mir mit Rat und Tat (manchmal auch ungefragt) zur Seite standen und mich unterstützten. Ich für meinen Teil bin sehr dankbar für diesen Pool an Helfern.

Deshalb möchte ich die Mutterschaft gerne ausweiten auf Elternschaft.

Wieder eine Begriffserläuterung von Wikipedia – Elternschaft: Im allgemeinen Sinne bezeichnet sie die Gesamtheit derjenigen Elternteile, deren Kinder gemeinsam beispielsweise einen Kindergarten oder eine Schule besuchen, oder die in einem Elternverein organisiert sind: Sie verbindet ihre jeweils gemeinsame Interessenlage an ihren Kindern. Die Elternschaft wirkt über Elternvertretungen an pädagogischen Einrichtungen mit; für sie gibt es auch Elternsprechtage.

Naja, passt doch: eine Gemeinschaft, die durch ihre gemeinsame Interessenlage an ihren Kindern verbunden ist.

Das Gute ist: wir können unsere Gemeinschaft noch ein wenig ausweiten – auf unseren fürsorgenden Vater, der weiß, welche Hilfe wir brauchen, wann Trost, wann Strenge, wann Weisung oder Führung. Auf IHN dürfen wir vertrauen und uns sicher fühlen – als Kind, als Mutter, als kranker oder alter Mensch. Wir sind alle seine Kinder, eine Familie im Herrn.

DANKE an alle „Mütter und Väter“ im Herzen und in der Tat – nicht nur am Muttertag, aber dann ganz besonders und offiziell 🙂

Lilia Janzen