Die Botschaft vom Reich Gottes gehörte zum Zentrum der Verkündigung von Jesus. Reich Gottes – das ist die Herrschaft Gottes im Leben einzelner Menschen, aber auch im ganzen Universum. Die Hoffnung, dass dieses Reich Gottes, in dem Gerechtigkeit herrscht, das Böse überwunden ist, der Mensch dem Menschen Freund und Bruder ist, kommen wird – das gehört zum Kern der christlichen Hoffnung.

Dieses Reich Gottes ist aber auch jetzt schon im Kommen. So sagt Jesus es den Menschen, die danach fragen, wo es denn zu entdecken wäre: „Das Reich Gottes ist mitten unter euch!“. Es ist schon da, aber noch nicht ganz. Und wenn wir uns die Frage stellen, wie wir die Herrschaft Gottes jetzt schon erleben können, gilt es, diese Spannung zwischen „Schon jetzt“ und „Noch nicht“ aufrechtzuerhalten.

Was kann ich tun, um das, wovon Jesus da spricht, heute schon erleben? Ich will dazu eine Anregung geben, die man auf die einfache Formel „sehen, vertrauen, machen“ bringen könnte.

Die zarten Pflanzen des Guten sehen

Was wir sehen, bestimmt, was wir denken. Wer nur Negatives sieht, wird negatives denken. Wer auf das Schöne sieht, wird Schönheit denken. Wer auf Gutes schaut, kann dankbarer sein. In Joh 9 wird eine Geschichte erzählt, wie Jesus einen Mann geheilt hat, der blind geboren war. An ihm entzündet sich eine unheilvolle Diskussion, wer Schuld war an seinem Zustand und ob dieser Jesus, der ihm geholfen hat, wirklich von Gott war. In dieser Geschichte offenbart der Blindgeborene eine Sehkraft, die es in sich hat und mich immer wieder herausfordert und neu begeistert. Seine Einstellung kurzgefasst: „Gutes kommt von Gott.  Jesus hat mir Gutes getan. Jesus kommt von Gott.“

Ich lerne immer mehr, das Gute, das mir begegnet, Gott zuzuschreiben. Ganz naiv. Ich stelle immer weniger die Frage „Sieht es nur gut aus? Stecken hinter dem Guten ganz andere Motive?“. Ich will lernen zu sehen, dass Gott überall Gutes in dieser Welt bewirkt. Dass er seine Vision von einem neuen Reich nicht nur verkündet, sondern auch stetig verwirklicht.

Dem Blindgeborenen verhalf diese Sicht der Dinge zum Vertrauen an Jesus, den er vorher nicht kannte. Damit sind wir beim zweiten Aspekt.

Auf die Kraft des Reiches Gottes vertrauen

Jesus selbst wirbt in einigen Gleichnissen dafür, sich nicht von Kraft- und Machtdemonstrationen unserer Welt beeindrucken zu lassen. Naturgemäß sind wir beeindruckbar durch körperliche Kraft, militärische Macht, großen Mehrheiten. Wir sind empfänglich für starke Persönlichkeiten, Strahlkraft, Charisma. Jesus lädt aber ein, auf Anderes zu vertrauen: wie ein Senfkorn, unscheinbar, klein und schwach, erscheint das Reich Gottes. Aber es wächst zu einem großen Strauch heran.

Wie der Sauerteigansatz, ganz banal und uninteressant kann Manches wirken, was ein Mensch aus dem Vertrauen zu Gott tut. Aber wenn es von Gott kommt ist es unaufhaltsam und kann eine beliebige Masse durchsäuern.

In Alltagserfahrungen ausgedrückt kann es heißen, dass z. B. ein Mensch, der Vergebung übt, nachhaltiger handelt als einer, der einen Krieg auslöst. Dieses Vertrauen ist alles andere als intuitiv, es ist eine Herausforderung. Aber dieses Vertrauen ist auch eine große Ressource, aus der Handeln entstehen kann.

So leben, als wäre das Reich Gottes jetzt schon wahr

Vor einigen Jahren war ich beruflich in China und lernte dort einen jungen Chinesen kennen, mit dem ich zusammengearbeitet habe. Er hatte in Deutschland studiert und sprach gut deutsch. Eines Tages bot er mir an, mich nach der Arbeit ins Hotel zu fahren, wohin ich sonst immer mit dem Taxi fuhr. Bei der Fahrt war ich ganz erstaunt, dass er einen ganz anderen Fahrstil hatte, als ich das von den Chinesen kannte. Er hielt sich an die Geschwindigkeitsvorgaben, hielt an roten Ampeln, beachtete das Rechtsfahrgebot. Und vor allem: er ließ die Hupe in Ruhe.

Um uns herum wuselte der hektische Großstadtverkehr, die Fahrer der anderen Autos waren merklich genervt – auch von meinem Chauffeur –, aber der ließ sich nichts anmerken. Er fuhr gelassen und souverän weiter und unterhielt sich mit mir über andere Themen.

Irgendwann fragte ich ihn, warum er so ganz anders fährt und sich nicht diesem Treiben um ihn herum anpasst. Er antwortete nur ganz trocken: „Ich habe meinen Führerschein in Deutschland gemacht und so fahre ich auch.“

So könnte man das vielleicht angehen! Wenn wir Gottes Güte in dieser Welt sehen und auf die Kraft seines Wirkens in unserem Leben vertrauen, machen wir unseren „Lebensführerschein“ schon in Gottes neuer Welt. Dann können wir vielleicht auch lernen, ganz unbeeindruckt von dem Treiben um uns herum schon heute nach den neuen Gesetzen und Richtlinien zu leben, als die Welt um uns herum uns diktiert. Vielleicht wäre es möglich, mitten in dem Gehupe „Nur die Harten kommen in den Garten“, „Nur Leistung zählt“, „Wie du mir, so ich dir“, „Wer Geld hat, hat Macht“ usw. ganz souverän und gelassen eine eigene Lebensspur zu befahren und andere Akzente zu setzen.

Und ganz sicher wird man auf diesem Weg ganz hautnah erfahren und erleben können, was Reich Gottes im hier und jetzt bedeuten kann.

H. Esau

Dieser Satz steht am Ende des ersten Korintherbriefs. Die Gemeinde in Korinth war von Paulus gegründet worden und entwickelte sich zu einem Lieblings- und Sorgenkind. Kulturell und sozial sehr vielfältig, entstanden in der Gemeinde die verschiedensten Spannungen. In seinem Brief versucht Paulus, all diese Fragen anzugehen, Hilfe und Orientierung zu geben. Und am Schluss fasst er all seine Bemühungen in diesem einen einfachen Rat zusammen: „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.“
Das klingt ein bisschen so, als würde ein Sternekoch am Ende eines umfangreichen Kochbuchs schreiben „Allet, wat du kochst – tu einfach Maggi bei, dann schmeckt dat schon!“ Das ist einfach zu merken und lädt zum Experimentieren ein.
Also beschloss ich, das einen freien Tag lang auszuprobieren: Jedes Tun und Lassen in Liebe geschehen zu lassen – wie wirkt sich das aus? Für einen kurzen Moment vergaß ich, dass man solche hehren Vorhaben am Besten nur mit sich selbst ausmacht. Oder höchstens auf YouTube bekannt gibt. Auf gar keinen Fall sollte man das vor der eigenen Familie verkünden, was ich leichtsinnigerweise beim Frühstückstisch tat. Prompt kam die Antwort von meiner Tochter: „Das möchte ich sehen, wenn du nachher deine Wäsche zum Trocknen aufhängst und die Katze wieder dran geht!“
Ja, ich muss zugeben: es gibt bei mir im Alltag auch diese dunklen Ecken, in die die Liebe selten hineinscheint. Momente voller Ärger, Verdruss und Katzenhaare. Ich habe es trotzdem probiert und festgestellt, dass dieser einfache Satz die Freiheit des Evangeliums atmet.
Die Freiheit des Tuns
Der erste Freiheitsgrad besteht genau darin: ich bin in meinem Tun nicht beschränkt! Ich darf alles tun! Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, wo mich die Frage beschäftigte: „Was darf ich?“, „Was soll ein Christ tun?“, „Was darf ein Christ nicht tun?“, „Was habe ich falsch gemacht?“.
Die Freiheit des Evangeliums besteht darin, dass ich mich von diesen Fragen lösen kann. Es geht nicht um das was ich tue. Ich darf also auch an meinem Liebes-Experimentiertag alles tun, was ich auch sonst machen würde: Nachrichten lesen, Kaffee trinken, Wäsche waschen. Bass spielen. Prokrastinieren (ein gebildet klingendes Wort für das Aufschieben dringender Aufgaben). Einen erneuten jämmerlichen Versuch unternehmen, mein Büro aufzuräumen. Diesen Artikel schreiben. Mich mit der Familie unterhalten. Essen machen. Essen. Fernsehen.
Die Liebe ändert das wie der Tätigkeit. Ich habe mehr Wertschätzung für die alltäglichen Dinge gespürt. Weniger Druck, etwas fertig zu kriegen und mehr Freude am Tun. Und selbst das Herumfaulenzen kann sich ein bisschen wie Sonnenbaden in der Liebe Gottes anfühlen.
Die Freiheit des Geliebt-seins
Und das ist auch schon der zweite Freiheitsgrad! Mein erster Impuls bei diesem Satz war: ich sollte mehr lieben. Aber im Grunde geht es gar nicht um meine Liebe. Es geht in erster Linie um die Liebe, die mir geschenkt wurde. Mir klarzumachen, dass ich ein geliebter Mensch bin – von Gott und sogar von manchen Menschen, – das eröffnet einen neuen Raum, in dem ich mich bewegen darf.
Das Geliebt-sein verändert die Art, wie ich in die Interaktion mit Menschen gehe. Ich unterstelle weniger Schlimmes und sehe mehr das Positive und Gute in Menschen. Ich bin schmerztoleranter bei Verletzungen. Mutiger bei neuen Begegnungen. Ich kann mit Stress und Druck besser umgehen. Ich bin dankbarer. Mir fällt es leichter, Prioritäten zu setzen und den Sinn hinter den Dingen und Tätigkeiten zu erkennen.
Und so seltsam das auch klingt: selbst einen Streit kann man als geliebter Mensch anders führen – mit weniger Verbitterung und konstruktiver. Das Geliebt-sein öffnet mir neue Räume mit neuen Horizonten. Ich habe die Freiheit, ganz anders, an Dinge heranzugehen.
Die Freiheit des Liebenden
Der dritte Freiheitsgrad: Ich darf neue Liebe entdecken, wo ich sie nicht gesehen habe. Wenn ich Liebe nicht aus mir heraus produzieren muss, kann ich lernen, wie mein Geliebt-sein in mir neue Liebe schafft.
Ich kann Marotten an meinen Liebsten lieben lernen, die ich vorher vielleicht therapieren wollte. Ich kann auch den langweiligen und mühseligen Aufgaben des Alltags einige schöne Aspekte abgewinnen. Ich lerne, mein Tun mehr zu lieben als die Sehnsucht nach dem Ergebnis. Ich kann Menschen lieben lernen, die ich vorher nicht mochte. Sogar den Typen im Spiegel.
Neu und anders lieben zu können, ist wie die Entdeckung eines neuen Lebensraums, das Erlernen einer neuen Sprache oder das Benutzen eines passenderen Instrumentes für die Herausforderungen des Alltags. Es eröffnet mir ganz neue Möglichkeiten, gibt mir mehr Freiheit und Sicherheit im Alltag.

„Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe“ – das ist ein Satz mit Gewicht. Er romantisiert nicht den grauen Alltag, er verschleiert nicht die Probleme des Lebens, er überfordert nicht mit unerfüllbaren Ansprüchen. Dieser Satz, im Licht des Evangeliums verstanden, atmet Freiheit und hat Potenzial zu großen Veränderungen.
Übrigens: der Wunsch meiner Tochter ist noch am selben Tag in Erfüllung gegangen. Sie war dabei und konnte sehen, wie die Katze abends wieder an meine frische Wäsche gegangen ist. Und wie ich meinen Hausschuh nach ihr warf. Und wie das mit deutlich mehr Liebe als üblich geschah.
Ich wünsche allen ein gesegnetes und Liebe-volles neues Jahr!
Heinrich Esau

Seit meiner Kindheit fasziniert mich der Nachthimmel. Gerade zum Anbruch der Winterzeit komme ich wieder öfter in den Genuss, an wolkenlosen Abenden nach oben zu sehen und die praktisch endlosen Tiefen des Kosmos auf mich wirken zu lassen. Ich denke an die vielen Objekte, die hunderte Male größer, um ein Vielfaches heißer, oder einfach nur sehr viel merkwürdiger sind als unsere Sonne. Und dann versuche ich, mir eine Vorstellung von den Lichtjahren an Entfernungen zu machen, die zwischen den einzelnen Lichtern liegen und davon, wie unwahrscheinlich klein unser Planet und ich erst recht im Vergleich zu all dem sind. Jedes Mal, wenn ich das versuche, scheitere ich daran. Was ich über das Universum weiß ist zu gewaltig, zu groß, um für mich begreifbar zu sein und wann immer ich diese Erfahrung erlebe, packen mich das Staunen und die Ehrfurcht wieder ein wenig.

Ich erlebe Gott mal als Freund, mal als Vater, mal als Tröster und in Momenten wie diesen auch als Schöpfer. Gott selbst kann ich nicht fassen, aber über Eindrücke wie den eines Ausblickes von einem Berg, den man gerade bestiegen hat, oder den eines Tieres, das in seiner Andersartigkeit so kreativ und einzigartig geschaffen wurde, ist es möglich, das Wirken Gottes als Schöpfer zu erahnen und ihm zu begegnen. Doch neben all dem Großen und Atemberaubenden dieser Welt ist es vor allem ein unscheinbarer Bibelvers, durch den mich der Schöpfergott besonders bewegt.

In Genesis 3 wird anhand von Adam und Eva das Dilemma beschrieben, dass die Menschen auch in einer Welt, die gut geschaffen ist, die Freiheit brauchen, sich selbstbestimmt dem Guten gegenüber zu positionieren und so auch die Möglichkeit haben, einander zu schaden. Als es nun dazu kommt, dass die beiden den Garten verlassen müssen, folgt der aus meiner Sicht leicht zu unterschätzende Vers 21, der da lautet: „Und Gott, der HERR, machte für den Menschen und seine Frau Kleider aus Fellen.“ Zur Erinnerung: die Schilderung des Lebens im Garten Eden endet in Genesis 2, Vers 25 mit der Zuspitzung „Die beiden waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander.“ Ein Sinnbild dafür, dass in einer Welt, in der die Beziehungen des Menschen zu Gott, zu seinen Nächsten und zu sich selbst intakt sind, keine Notwendigkeit besteht, Teile seines Selbst verdeckt zu halten und vor anderen zu verbergen.

Doch der dargestellte Bruch in der Beziehung zu Gott führt nicht zuletzt auch zu einem Vertrauensbruch zwischen den Menschen, was besonders daran deutlich wird, dass Adam, als er von Gott konfrontiert wird, seine Frau beschuldigt, ihm die Frucht gegeben zu haben. In dieser Situation der Brüchigkeitserfahrung und des Misstrauens kommt in den Menschen die Scham als Schutzmechanismus zum Vorschein, der sie dazu bringt, sich dem anderen gegenüber stärker zu verschließen. Das Bedürfnis nach Kleidung ist in dieser Geschichte ein Resultat der Sündhaftigkeit des Menschen.

Was bedeutet es also, wenn Gott für die Menschen in Genesis 3, Vers 21 Kleidung aus Fellen macht? Es scheint kein großer Aufwand dahinter zu stecken und das Geschaffene selbst ist im Vergleich zu allem anderen, was Gott vollbracht hat, so banal und klein – etwa Alltägliches wie schlichte Bekleidung. Es ist noch nicht einmal der Fall, dass Gott etwas aus dem Nichts heraus geschaffen hat. Bei diesem Vorgang geht es lediglich darum, dass etwas, was bereits existiert, zu einem nützlichen Gegenstand umgeformt wird. Die Menschen wären auch alleine zu so etwas fähig. Warum halte ich diesen Vers also für besonders?

Wann immer Gott zuvor als Schöpfer tätig war, so geschah das meist unabhängig vom Menschen. Die Welt würde auch ohne uns (häufig sogar noch besser) funktionieren und in den Momenten, in denen Gott uns selbst oder etwas für uns schafft, sind wir Objekte oder Beschenkte anstatt aktiv Beisteuernde. Bei der Herstellung von Kleidung in diesem Fall ist das aber anders. Wäre es bei Gottes Vorstellungen geblieben, wäre der Bedarf dafür wohl gar nicht erst entstanden. Es sind die Menschen, von denen diese Notsituation ausgeht und anstatt dass sich Gott von ihnen abwendet, als sie das, was er für sie vorgesehen hat, verwerfen, passt er sich in seinem Handeln an sie an. Gott verwirft die gute Schöpfung nicht, wenn sie durch den Menschen brüchig wird. Er verlässt den Menschen nicht, wenn dieser den Anforderungen, die Gott an ihn stellt, nicht gerecht werden kann. Gott nimmt die Bedürfnisse des Menschen, die aus seiner Brüchigkeit folgen, ernst und kümmert sich um sie.

Es mag frustrierend sein mitanzusehen, wie das Gute, das Gott in die Welt gesetzt hat – einen Planeten, der Leben ermöglicht, eine enorme Arten- und Pflanzenvielfalt, die Wesenszüge und Gaben jedes Menschen in seiner Einzigartigkeit – durch menschliche Einflüsse gestört, zurückgehalten und gefährdet wird. Doch dieser Vers in Genesis 3 vermittelt vor diesem Hintergrund eine wertvolle Botschaft: Trotz allem, was es an Schlechtem in der Welt gibt, von Gott, dem Schöpfer, geht nicht nur alles aus, es geht auch alles durch Gott, den Schöpfer, weiter!

Marvin Esau

Stille – was bewirkt dieses Wort in genau diesem Moment in dir? Vielleicht ein Entsetzen? Ein Unverständnis? Frust? Sehnsucht? Versuche mal, dir jetzt ein bis zwei Minuten Zeit zu nehmen und einfach stille zu sein; keine Musik, keine Ablenkung, keine Gespräche, kein Tun…

Und nun? Wie geht es jetzt weiter? Diese Frage beschäftigt mich seit Anfang des Jahres, wenn ich an das Thema Stille denke. Stille ist bisher kein großer Teil meines Lebens gewesen, vermutlich sogar gar kein Thema – außer vielleicht beim Schlafen. Wobei auch da viele Nächte sehr laut und unruhig waren aufgrund von Dingen, die man in Träumen verarbeitet hat.

„Stille vor dir, mein Vater. Neue Stille vor dir suche ich, Herr. Stille vor dir, ich höre. Rühre mich an durch dein Wort“ ist ein ganz bekannter Chorus aus einem Lied. Für mich war Stille ein Abstraktum. Ich konnte damit überhaupt nichts anfangen. Immer beschäftigt sein, ein Macher. Dinge nach vorne treiben, anpacken. Das bestimmte mein Leben. In Zeiten körperlicher Herausforderungen durch zum Teil schwere Krankheiten kam ich an den Ort der Stille. Aber war es das? Musste ich immer körperlich „ausgeschaltet“ werden, um Ruhe und besonders Stille zu finden?

Zum Ende des vergangenen Jahres entschied ich mich für eine Woche in ein Kloster zu gehen. Ende Januar war es dann soweit. Ich begab mich auf den Weg in das Jesuitenkloster in Frankfurt in die sogenannte Zukunftswerkstatt. Dort lernte ich, der Stille zu begegnen, sie für mich zu nutzen und sie sogar lieb zu gewinnen.

Eine Geschichte aus dem Alten Testament hat mich während dieser Woche sehr beschäftigt und begleitet. Hier geht es um Elia. Bei Elia geht auch richtig die Post ab. Er führt ein sehr turbulentes und herausforderndes Leben. Stille kennt Elia kaum – so macht es den Anschein.

In 1. Könige 19 jedoch bemüht sich Gott um die Aufmerksamkeit von Elia. Ein heftiger Sturm zog auf, riesige Felsbrocken lösten sich aus dem Berg und wurden zerschmettert. Es muss ein gewaltiges Getöse gewesen sein, wenn Gesteinsmassen abgängig werden und ins Tal runter rauschen. „Doch der Herr war nicht in dem Sturm“ heißt es an der Stelle. Dann bebte die Erde, alles wackelte und Unruhe machte sich breit. „Aber auch im Erdbeben war der Herr nicht.“ Zu guter Letzt entfachte ein Feuer, eine sehr bedrohliche und angsteinflößende Situation, in der es buchstäblich um Leben und Tod geht. „Doch der Herr war nicht darin“ heißt es in Vers 12. Anschließend vernahm Elia ein stilles, sanftes Säuseln und er erkannte die Stimme des Herrn.

Das hat mich irgendwie fasziniert. In dieser Minute werden rund 30 Millionen Minuten Musik bei Spotify gehört. YouTube hat jeden Tag über 1 Milliarde aktive Nutzer und hier werden jede Minute rund 500 Stunden an neuem Videomaterial hochgeladen. Beschäftigt sein oder beschäftigt werden ist in unserer Zeit ein sehr großes Thema. Viel zu schwer schafft man (und hiermit meine ich eigentlich mich an erster Stelle), in die völlige Ruhe und Stille abzutauchen.

Die Zeit im Kloster, ganz ohne Medien, Smartphone, Telefonanrufe und E-Mails hat mich anfänglich sehr herausgefordert. Ich brauchte einige Tage, um in die Stille zu kommen, mich darauf einzulassen. Die Synonyme Sturm, Erdbeben und Feuer für das turbulente Leben legten sich von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde und ich vernahm das stille und sanfte Säuseln und ich hörte immer mehr Gottes Reden.

Ein Zitat von Franz von Sales bewegte mich sehr in diesen Tagen: „Nimm dir jeden Tag eine Stunde Stille vor Gott, außer du hast viel zu tun, dann nimm dir zwei!“ Wow! Ich empfehle dir, dieses Zitat noch einmal zu lesen und tief in dich eindringen zu lassen. Je mehr ich über dieses Zitat nachsinne, bewegt es mein Herz zunehmend und immer mehr kann ich es bejahen. Da steckt eine ganz tiefe Weisheit drin.

Und dennoch fällt es mir sehr schwer im Trubel des Alltags regelmäßig in die Stille zu kommen. Genau deswegen schreibe ich diese Zeilen für mich, um mir das wieder ins Bewusstsein zu rufen. Dr. Johannes Hartl antwortete auf die Frage, wozu wir Stille brauchen, folgendes: „In der Stille werden wir mit dem konfrontiert, was wirklich da ist und das Davonlaufen wird schwieriger. Deswegen ist Stille für jeden wichtig.“

Jesus ging oft in die Stille, zog sich zurück auf einen Berg (hier scheint ein göttliches Prinzip zu gelten) und hatte Stille mit und vor seinem Vater. Wenn es für Jesus so hilfreich war und scheinbar lebensnotwendig zu sein schien, dann glaube ich, dass für mich bzw. uns alle das gleiche gilt. In der Stille liegt eine unglaubliche Kraft. Eine Kraft, die Berge versetzen, Kranke heilen und sogar Tote auferwecken kann. Jesus lebt uns vor, was Stille bedeutet. Ein Jesus, der immer Leute um sich rum hatte und überall wo er hinkam, belagert wurde, suchte seine Kraft in der Stille vor Gott.

Ich möchte mich und euch herausfordern und ermutigen, aktiv die Stille zu suchen. Zurückziehen. Bewusste Zeiten der Stille einbauen. Wenn es hilft Rituale schaffen, die einen täglich daran erinnern. Vielleicht erst ein paar Minuten, dann 10 Minuten, dann eine halbe Stunde und zu guter Letzt vielleicht sogar täglich eine Stunde. Außer du hast viel zu tun, dann nimm dir zwei.

Liebe Grüße und Gottes Segen dabei!

Tim Probsthain

Manchmal bin ich von mir enttäuscht. Nicht unbedingt wegen dem, was ich getan habe, sondern wegen dem, was ich nicht getan habe. Was hätte ich in meinem Leben nicht schon machen oder erreichen können. Ich wäre gern sportlicher und hätte gern einen muskulösen Körperbau. Vielleicht wäre ich beruflich erfolgreicher, wenn ich studiert hätte. Ich möchte in mancher Hinsicht gerne herausstechen und nicht einfach normal sein. Ich möchte mich charmant und wortgewandt an einem Gespräch beteiligen. Doch dann drücke ich mich umständlich und kompliziert aus.

Hin und wieder mach ich mir in einer ruhigen Minute Gedanken, was für ein Vater ich bin. Ich wurde mal als geduldiger Mensch bezeichnet, jedoch habe ich bei den Kindern die Grenzen der Geduld schon häufig weit überschritten.

Wie bin ich als Ehemann in der Beziehung zu meiner Frau?

Wenn gewisse Ding zu tun sind, muss man mich nicht alle halbe Jahre wieder daran erinnern, oder?

Nein, im Ernst. Es gibt Dinge, die ich nicht getan habe und im Nachhinein lieber getan hätte. Oder ich habe nichts gesagt, als es dran war etwas zu sagen.

Auch in der Beziehung zu Eltern oder Freunden gibt es diese Enttäuschung. Es kommen Gedanken des Versagens auf. Ich wäre manchmal gern ein anderer Mensch, der nie etwas Falsches sagt oder tut. Einfach perfekt.

Das Wort Perfekt bedeutet auch Vollendet. Etwas Perfektes ist abschlossen und muss nicht mehr verändert werden. Solange ich jedoch Mensch bin, bin ich nicht vollendet oder perfekt. Es gibt noch Raum für Veränderung.

Auch im Leben als Christ erlebe ich Enttäuschung und Versagen. Es sollte meiner Vorstellung nach anders sein. Lebendiger, kraftvoller, gnädiger. Die Liste könnte ich mühelos noch um viele Punkte erweitern. Der Wunsch nach einem erfüllten und ansteckenden Leben als Christ hat sich nicht so erfüllt, wie ich es mir mal vorgestellt habe.

In Galater 4,19 sagt Paulus: “… bis Christus in eurem Leben Gestalt annimmt.“ Es geht Jesus scheinbar nicht darum, dass ich ein perfekter Nachfolger bin, sondern darum, dass ich bereit bin mich von ihm Stück für Stück verändern zu lassen. Das sind keine neuen Gedanken, die ich mir zum ersten Mal mache. Ich muss mich jedoch immer wieder daran erinnern und es mir vor Augen führen, was das für mich bedeutet und wie ich es in meinem Leben umsetzen kann.

In Kolosser 3,17 heißt es: Und alles, was auch immer ihr tut oder sagt, soll im Namen von Jesus, dem Herrn, geschehen.

Alles, was ich tue und sage soll im Namen von Jesus sein. Dieser Gedanke fordert mich immer mehr heraus, um so länger ich darüber nachdenke. Alles!

Unser Leben besteht aus vielen verschiedenen Bereichen, z. B. Beziehungen, Beruf, Freizeit, Finanzen, geistliches Leben, usw. Die Dinge sind je nach Menschen und Lebenssituationen unterschiedlich. Diese Dinge sind Teile des Lebens und man könnte sie als Kuchendiagramm darstellen, die gemeinsam den vollen Kreis des Lebens zeigen. Ich habe so ein Diagramm in einem Buch gefunden, das ich dieses Jahr im Urlaub zu lesen begann. Die einzelnen Inhalte des Lebens liegen als ‚Kuchenstücke‘ nebeneinander. Und genau diese Wahrnehmung hatte ich manchmal von meinem Leben. Mein geistliches Leben liegt neben den anderen Dingen meines Lebens. Und das fühlt sich für mich nicht richtig an. Ich möchte, dass mein geistliches Leben in allen Lebensbereichen vorhanden ist. Ein besseres Bild, wie ich mir mein Leben vorstelle, ist ein Wagenrad, bei dem das äußere Laufrad das Reich Gottes ist und die anderen Dinge meines Lebens die Speichen des Rades. Somit ist alles mit dem geistlichen Leben verbunden. Dieses Bild ist ein Beispiel für den Vers (Kol. 3,17).

Vielleicht kommen dir diese Gedanken bekannt vor oder du hast ein ähnliches Gefühl in deinem Leben. Dann lass uns gemeinsam neue Wege finden, wie es anders werden kann.

Einige Ideen, wie das praktisch aussehen kann, alles im Namen Jesu zu tun und sagen, können dir vielleicht helfen.

Was tust du als erstes, wenn du morgens wach wirst? Was würde es für dich bedeuten im Namen Jesu aufzuwachen? Sagst du deinem Smartphone als erstes ‚Guten Morgen‘? Wie wäre es mit einem kurzen Gebet, bei dem du Jesus begrüßt?

An dieser Stelle erinnere ich mich an Hans-Peter Royer, der ein Buch mit dem Titel ‚Nach dem Amen bete weiter‘ geschrieben hat. Ich durfte ihn bei einem Bibelseminar kennenlernen. Er erzählte, wie er mit Jesus Kaffee trinken geht und sich mit ihm unterhält, wie mit einem guten Freund. Das Gebet mit Jesus hörte nicht nach dem Amen auf.

Jesus im Laufe des Tages immer wieder anzusprechen und ihm alle Dinge zu sagen, die dir auf dem Herzen liegen – auch die Kleinigkeiten. Ich wünsche dir eine Natürlichkeit – eine Selbstverständlichkeit des Glaubens, die unabhängig von der Situation ist.

Jeder Augenblick ist eine Chance im Namen Jesu zu leben und von ihm zu lernen, wie wir im Reich Gottes Leben können. Versuche Gewohnheiten zu entwickeln, im Laufe des Tages die Gedanken durch Gebet auf Gott auszurichten. Ich denke, dass du an vielen Stellen merken wirst, wie deine Gedanken sich mehr um Gottes Reich drehen werden und weniger um dich.

Manchmal bin ich von mir enttäuscht. Und dann fällt mir ein, dass Jesus mich liebt und annimmt, so wie ich bin. Das tut gut.

V. Goosen

Wer wünscht sich das nicht?

Entlastung im täglichen Leben

-in der Küche, im Auto, im Büro, beim Mutter- und Vatersein, im Alter, im Herzen, in den Gedanken, im Rückblick, im Ausblick, im ….
Die Bundesregierung schnürt Entlastungspakete um die Bürgerinnen und Bürger zu entlasten bei steigenden Kosten.
Mit Bürgergeld, Wohngeld, Gas- und Strompreisbremse sowie Pendlerpauschale
„Wir entlasten Deutschland“ tönt es in den Zeitungen und Nachrichten. Dabei geht es hauptsächlich um finanzielle Entlastung von fast 300 Milliarden Euro derzeit.
Es hat weitreichende Konsequenzen wenn diese Entlastungspakete nicht geschnürt werden. Nicht nur auf den Ausgang der nächsten Wahl, sondern auch in der Haltung der Menschen nicht genug zu haben, nicht versorgt zu sein, ungerecht behandelt worden zu sein.
Unsere Regierung nimmt sehr viel Geld in die Hand um für Entlastung zu sorgen. Täte Sie es nicht, sähe unsere Gesellschaft anders aus. Ärmer, gespaltener, einsamer, kränker, …..?
Entlastung hat viele Facetten. Wie oben beschrieben kann Entlastung auf finanzieller Ebene geschehen, aber auch auf körperlicher Ebene kann Entlastung so manche Blockaden lösen und zu mehr Beweglichkeit führen. Wer will das nicht?
Für eigene Entlastung sorgen. Ich persönlich habe die Tendenz mir zu viel Aufzuladen. Beim Ausräumen des Autos oder dem Tragen von leeren Flaschen in den Keller. Das führt dazu, dass die Körperspannung bis in die letzte Muskelregion, auf ein Höchstmaß ansteigt. Die Aktivierung von neuen Muskelregionen kann eine belebende Erfahrung sein. Kann aber bei übermäßigem Ausleben zu Blockaden und Überlastung führen.
Wer kennt es nicht? Körperliche Überlastungssignale nach einer Umzugshilfe. Nach dem Motto: „Ich schaff das schon“ tragen wir die Waschmaschine mit bloßen Händen die Treppen hinunter oder ein sperriges Sofa einige Stockwerke nach oben. Der Tag danach hat dann seinen ganz eigenen Charakter. Je nachdem wo und wie es zwickt und zwackt. Mit Eisbeutel, Magnesium und Wärmebehandlung versuchen wir dann unseren Schmerz zu lindern. Vielleicht kommt dann noch eine Verhaltenstherapie in unserer Paarbeziehung dazu. Ich belasse es mal dabei. Jeder von euch wird da so seine Erfahrung gesammelt und seine Schlüsse gezogen haben beim nächsten Mal vielleicht auf die einen oder anderen Hilfsmittel zurück zugreifen oder das Motto: „Ich schaff das schon“ etwas genauer zu beleuchten. Möglicherweise kann daraus ein „Wir schaffen das schon“ werden „Ich schaffe das nicht mehr“. Die Entlastung der Gemeinsamkeit und Verbundenheit zulassen. Ich muss nicht alles sofort und alleine schaffen. Oder die Aussage „Du schaffst das schon“ kann uns eine unerträgliche Last aufbürden. Die Erfüllung von Erwartungen unserer Mitmenschen kann uns in eine Enge führen. Wo bleibe ich in diesem Moment? Was schaffe ich, was will ich schaffen? Was darf ich schaffen? Was darf ich liegen lassen, nicht alles in Ordnung halten. Dies kann für Entlastung sorgen wenn ich meine inneren Sätze „auf den Tisch“ lege und darüber nachdenke und vielleicht sogar mit vertrauten Menschen besprechen kann. Die Frage ist: „Wo ist die Last?“ Wo sind meine sensiblen Stellen? An welcher Stelle kippt meine innere Balance in Mühe, Unzufriedenheit, in Traurigkeit, in Zweifel, in Hochmut, in Schuldgefühle, in Bitterkeit, in Einsamkeit? Wo spüre ich die Last des Lebens am stärksten? Was sind die Dinge/Situationen die mir die Freude nehmen? Das heißt natürlich nicht, dass ich immer sprudelnde Freude haben müsste. Auch das kann eine Last sein, spätestens wenn es immer zu geschehen hat. Was engt mich ein? Die Aussagen anderer die ich fraglos übernommen habe? Sind es Botschaften die ich an mich richte? „Du bist schlampig“ „Der Klügere gibt nach“ „Ohne Fleiß kein Preis“ „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ „Ich sollte meinen Eltern gehorsam sein“ „Ich sollte Rücksicht nehmen“ „Ich sollte nicht stolz sein“ „Ich sollte nichts sagen was die Harmonie stört“
Hinter jedem der o. g. Botschaften steckt offensichtlich oder versteckt ein „Ich sollte/müsste“. In diesen Botschaften steckt das Potential einer Überlastung versteckt. Meist wird der Satz „Der Klügere gibt nach“ von Eltern an ihre Kinder gerichtet. Ich persönlich hoffe, dass in diesen Momenten, dass eine oder andere Kind nicht klug sein möchte. Es gibt genügend Momente Menschen ganz klar Grenzen zu setzen und nicht nachzugeben im Sinne von schweigen und zurück haltend sein. Prüft selbst wohin es führt wenn diese Botschaft uns und unser Miteinander immer leitet.
Entlastung kannst du erleben wenn aus dem „Ich sollte nachgeben, fleißig sein, usw.“ ein „Ich will nachgeben, fleißig sein, usw.“ wird. Ergibt es für mich Sinn immer nachgeben zu müssen, fleißig sein zu müssen. Wenn ich darin keinen Sinn sehe werde ich über kurz oder lang unter der Last der Leere leiden.
Entlastung im Gemeindeleben
Wie können wir Entlastung in unserer Gemeinde praktisch erleben und auch in die Gesellschaft weiter tragen?
Mir kommen bei diesem Thema einige Bibelstellen in den Sinn die sich mir aufdrängen:
„Kommet her zu mir alle die ihr mühselig und beladen sein. Ich will euch erquicken“ Matth. 11, 28
„Selig der Mensch, dem der HERR die Schuld nicht zur Last legt“ Ps. 32, 2
Gott steht eindeutig dafür, dass Entlastung geschieht. Der rote Faden des Planes Gottes mit dem Menschen hat mit Entlastung zu tun.
Zum anderen zitieren wir gut und gerne den Vers, dass Jesus uns ruft zu kommen wenn wir mühselig und beladen sind. Er will der Adressat sein für unsere Lasten. Transportieren statt deponieren.
Es macht einen Unterschied ob wir die Lasten unseres Lebens bei uns deponieren oder ob wir diese transportieren. Das Angebot Jesu steht im Raum. So wie ich Jesus kenne wird Jesus sich uns nicht aufdrängen und uns mal eben entlasten. Er lässt uns in unseren o. g. Botschaften und Haltungen zueinander leben. Diese Freiheit gönnt er uns. Er setzt auf unsere Verantwortung entlastend damit umzugehen. In diesem Vers werden wir eingeladen diese Lasten zu Jesus zu bringen, in Worte zu fassen und auszusprechen. Damit nicht allein dazu sein. Eine Einladung an alle Mütter und Väter, alle älteren Menschen die mit Gebrechlichkeiten des Lebens täglich konfrontiert sein. Auch die nach dem Sinn fragenden jungen wie älteren Menschen sind eingeladen die Last der Leere im Gebet und Aussprache Jesus vor die Füße zu „schmeißen“. Auch die Last der Entscheidung, bei so vielen Möglichkeiten der Berufswahl, hat in Jesus einen behutsamen Adressaten der den Druck raus nimmt die ultimativ richtige Entscheidung treffen zu müssen. Zu guter Letzt die Entscheidung für eine Partnerin- einem Partner ist bei Jesus gut aufgehoben. Die Aussprache ganz alleine im Gebet vor Jesus kann die Hemmungen der Scham reduzieren Worte dafür zu finden. Wer das schonmal erlebt hat wird wissen, dass der innere Druck deutlich abnimmt. Es fühlt sich leichter und gelassener an. Wenn ich noch kurz näher auf die Last, die Jesus hier anspricht, eingehen darf, ist die Last gemeint die die Gesetzeslehrer mit ihren vielen Geboten und Forderungen an die Nachfolger Jesu gerichtet haben. Die Menschen haben unter dem Joch der Forderungen der religiösen Elite gelitten. „Unzählige“ Gesetzestexte wurden dafür verfasst um die Menschen zu unterjochen. Eine Gemeinschaft kann unter solchen Umständen zu einer großen Last für den Einzelnen werden. Wenn wir uns in einem „schneller, höher und weiter“ zu Höchstleistungen drillen. Meine Erfahrung ist, dass es nicht offen angesprochen wird, aber unter dem Deckmantel des Glaubens dieser Wettbewerb durchaus spürbar ist. Das kann sich im Gottesdienst, in der Kommunikation und Haltung zu einander zeigen. Kennt ihr das? Vielleicht von anderen Gemeinden? An welchen Stellen können wir für Entlastung sorgen? Wie sieht ein Mensch aus, der Entlastung benötigt? Welche Haltung zueinander kann entlasten? Wir können als Nachfolger Jesu den Raum anbieten, dass Lasten im Gespräch mit einem offenen Ohr transportiert werden und Menschen Entlastung erleben. Dazu kann es hilfreich sein, dass ich mir beispielsweise nach dem Gottesdienst vornehme auf einen Menschen zuzugehen und ihn frage womit er sich gerade beschäftig, wo er Sorgen hat, was gerade leicht oder was schwer ist. Einfach nur zuhören, Verständnis zeigen, Mitfühlen ohne ein „Du sollst“, „Mach mal das oder jenes“. Es geht hier darum sich auf eine Stufe mit den Menschen zu stellen was auch der Wirklichkeit entspricht. Ich wage es mal zu behaupten, dass jeder Gepäck mit sich herumschleppt und es Lasten gibt, die du auf gar keinen Fall alleine schleppen solltest. Um das zu entdecken brauchen wir einander. Damit auf ein entlastendes Gemeindeleben in all seinen Farben und Facetten.
Benno Driesner

Am 14. Mai ist Muttertag.

Laut Wikipedia hat er sich seit 1914 als Tag zur Ehren der Mutter und Mutterschaft etabliert, findet seinen Ursprung jedoch bereits im antiken Griechenland und bei den Römern. In seiner heutigen Form wurde er in zahlreichen Frauenbewegungen und –vereinen geprägt. Sie dienten zum Austausch untereinander, setzten sich für Friedensprojekte wie auch Frauenrechte ein.

Als Begründerin gilt eine amerikanische Methodistin, die im Gedenken an ihre verstorbene Mutter ihre Kirche dazu drängte, allen Müttern am zweiten Mai-Sonntag eine Andacht zu widmen und 500 weiße Nelken zu verteilen (1908). Allerdings hat sie die Kommerzialisierung nicht im Sinn gehabt und sich vom Feiertag abgewendet.

Doch – was ist eine Mutter und was macht sie aus?

Bleiben wir bei Wikipedia – Mutterschaft unterscheidet sich in drei Aspekte: biologische (Eizelle), rechtliche (in Deutschland: Frau, die das Kind geboren hat) und soziale Elternschaft.

Bei der sozialen Mutterschaft wird einem Kind Mutterliebe entgegengebracht und beinhaltet meist auch die Pflege und Erziehung des Kindes. Die Rolle der sozialen und biologischen Mutterschaft muss hierbei nicht zwingend von derselben Person übernommen werden (z.B. Patchworkfamilie, Adoption, Erziehung durch die Großmutter).

Auch in der Bibel finden wir das ein oder andere, z.B. mehrere Anweisungen für christliche Mütter:

24/7 Bereitschaftsdienst

Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder schläfst. (5. Mose 6,6-7)

Engagement

Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht sie in der Zucht und Weisung des Herrn! (Epheser 6,4)

Lehramt

Er hat mit Israel einen Bund geschlossen, den Nachkommen Jakobs seine Weisungen gegeben. Er hat unseren Vorfahren befohlen, ihren Kindern davon zu erzählen, damit auch die folgende Generation es erfährt, die Kinder, die noch geboren werden. Und wenn sie selbst Eltern geworden sind, sollen sie es weitergeben an ihre Kinder. (Psalm 78,5-6)

Denkt an den Tag, als ihr am Berg Horeb vor dem Herrn, eurem Gott, gestanden habt. Der Herr hatte zu mir gesagt: »Rufe das ganze Volk zusammen! Sie sollen hören, was ich ihnen zu sagen habe, und sollen lernen, mich und meine Weisungen ernst zu nehmen, die ganze Zeit, die sie in ihrem Land leben. Sie sollen auch ihre Kinder dazu anhalten… (5. Mose 4,10)

Life-Coach

Bring einem Kind am Anfang seines Lebens gute Gewohnheiten bei, es wird sie auch im Alter nicht vergessen. (Sprüche 22,6)

Wir haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Hat jemand prophetische Rede, so übe er sie dem Glauben gemäß. Hat jemand ein Amt, so versehe er dies Amt. Ist jemand Lehrer, so lehre er. Hat jemand die Gabe, zu ermahnen und zu trösten, so ermahne und tröste er. Wer gibt, gebe mit lauterem Sinn. Wer leitet, tue es mit Eifer. Wer Barmherzigkeit übt, tue es mit Freude. (Römer 12,6-8)

Aufsichtsperson

Und da habt ihr schon die ermutigenden Worte vergessen, die Gott an euch, seine Kinder, gerichtet hat: »Nimm es an, mein Sohn, wenn der Herr dich hart anfasst! Verlier nicht den Mut, wenn er dich schlägt! Denn wen der Herr liebt, den erzieht er mit Strenge; und wen er als seinen Sohn annimmt, dem gibt er auch Schläge. (Hebräer 12,5-6)

Erzieh deine Kinder mit Strenge, dann kannst du Hoffnung für sie haben; lass sie nicht in ihr Verderben laufen. (Sprüche 19,18)

Kinder neigen zu Dummheiten; strenge Erziehung wird sie davon heilen. (Sprüche 22,15)

Erziehe deinen Sohn mit Strenge, dann wird er für dich zur Quelle der Zufriedenheit und Freude. (Sprüche 29,17)

Pflegedienst

Seid freundlich und hilfsbereit zueinander und vergebt euch gegenseitig, was ihr einander angetan habt, so wie Gott euch durch Christus vergeben hat, was ihr ihm angetan habt. (Epheser 4,32)

Der Geist Gottes dagegen lässt als Frucht eine Fülle von Gutem wachsen, nämlich: Liebe, Freude und Frieden, Geduld, Freundlichkeit und Güte, Treue (Galater 5,22)

Euch allen schließlich sage ich: Haltet in derselben Gesinnung zusammen und habt Mitgefühl füreinander! Liebt euch gegenseitig als Brüder und Schwestern! Seid gütig und zuvorkommend zueinander! Vergeltet Böses nicht mit Bösem, und gebt Beleidigungen nicht wieder zurück! Im Gegenteil, segnet eure Beleidiger, denn Gott hat euch dazu berufen, seinen Segen zu empfangen. (1. Petrus3,8-9)

Vorbild durch Integrität

Ihr wisst ja selbst, dass ihr auch darin unserem Beispiel folgen sollt. Denn wir haben uns nicht vor der Arbeit gedrückt, als wir bei euch waren. (2. Thessalonicher 3,7)

Nehmt also Gott zum Vorbild! Ihr seid doch seine geliebten Kinder! Euer ganzes Leben soll von der Liebe bestimmt sein. Denkt daran, wie Christus uns geliebt und sein Leben für uns gegeben hat, als eine Opfergabe, an der Gott Gefallen hatte. (Epheser 5,1-2)

Gut, einiges dürfen (und sollten) wir heute nicht mehr wörtlich nehmen; andere Zeiten, andere Sitten halt. Aber mir fällt auf, dass die Worte sich nicht nur an die Mutter richten. Es werden alle angesprochen, sich um Erziehung der Kinder und Nachkommen zu kümmern.

Und auch ich habe für mich festgestellt: Wo wäre ich ohne meinen Partner, meine Eltern, Geschwister, Freunde, die mir mit Rat und Tat (manchmal auch ungefragt) zur Seite standen und mich unterstützten. Ich für meinen Teil bin sehr dankbar für diesen Pool an Helfern.

Deshalb möchte ich die Mutterschaft gerne ausweiten auf Elternschaft.

Wieder eine Begriffserläuterung von Wikipedia – Elternschaft: Im allgemeinen Sinne bezeichnet sie die Gesamtheit derjenigen Elternteile, deren Kinder gemeinsam beispielsweise einen Kindergarten oder eine Schule besuchen, oder die in einem Elternverein organisiert sind: Sie verbindet ihre jeweils gemeinsame Interessenlage an ihren Kindern. Die Elternschaft wirkt über Elternvertretungen an pädagogischen Einrichtungen mit; für sie gibt es auch Elternsprechtage.

Naja, passt doch: eine Gemeinschaft, die durch ihre gemeinsame Interessenlage an ihren Kindern verbunden ist.

Das Gute ist: wir können unsere Gemeinschaft noch ein wenig ausweiten – auf unseren fürsorgenden Vater, der weiß, welche Hilfe wir brauchen, wann Trost, wann Strenge, wann Weisung oder Führung. Auf IHN dürfen wir vertrauen und uns sicher fühlen – als Kind, als Mutter, als kranker oder alter Mensch. Wir sind alle seine Kinder, eine Familie im Herrn.

DANKE an alle „Mütter und Väter“ im Herzen und in der Tat – nicht nur am Muttertag, aber dann ganz besonders und offiziell 🙂

Lilia Janzen

Am Ostersonntag, so berichtet der Evangelist Lukas, gingen zwei nicht namentliche genannten Jünger aus Jerusalem nach Emmaus. Sie unterhielten sich erregt über die unglaublichen und verstörenden Ereignisse der vorangegangenen Woche. Jesus hat im Vorfeld des Passa-Festes für Aufsehen gesorgt. Er wurde gefangen genommen, und im Schnellverfahren gerichtet, verurteilt und am Kreuz hingerichtet, damit die Festlichkeiten am Sabbat nicht gestört wurden.

Die Jünger hatten das Passa-Fest in hilfloser Trauer verbracht. Allein gelassen, ihrer Hoffnungen beraubt, enttäuscht. Und während sie noch im Schockzustand waren, kamen die unglaublichen Nachrichten, dass Jesus nicht im Grab geblieben ist. Zuerst sahen den Auferstandenen die Frauen, dann die Jünger. Sie erzählten es weiter, aber kaum jemand konnte das glauben.

Auch die beiden Emmaus-Jünger haben das gehört und auf ihrem Weg versuchten sie, das Erlebte im Gespräch zu sortieren, als Jesus sich zu ihnen gesellte. Sie erkannten ihn nicht, nahmen ihn aber in ihre Gespräche mit hinein. Und im Verlauf des Gespräches heißt es:

Da sagte Jesus zu ihnen: »Was seid ihr doch schwer von Begriff! Warum rafft ihr euch nicht endlich auf zu glauben, was die Propheten gesagt haben? Musste der versprochene Retter nicht dies alles erleiden und auf diesem Weg zu seiner Herrschaft gelangen?« (Lukas 24,25-26)

Musste es so kommen?

Als Schüler in der ehemaligen Sowjetunion wurde mir im Geschichtsunterricht beigebracht, dass Weltgeschichte einer zwangsläufigen Entwicklung unterliegt. Nach den Zeiten von Herren und Sklaven kommt das Feudalsystem mit Leibeigenen. Dieses wird abgelöst durch das kapitalistische System mit der Bourgeoisie und der Arbeiter- und Bauernklasse. Der Sozialismus überwindet dieses System und führt schließlich zum Kommunismus, in der alle Menschen gleich sind und jeder glücklich ist. Wir müssten nur fest daran glauben und alles Mögliche dafür tun, damit das wahr wird.

Diese Entwicklung sei unaufhaltsam und würde am Ende zu einer kommunistischen Welt führen, erzählten die Lehrer. Eine Heilsgeschichte ohne Gott, unausweichlich wie ein Naturereignis. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich große Zweifel hatte, ob Geschichte solchen Zwängen unterliegt. Geschichte ist keineswegs eine unaufhaltsame Entwicklung zum Besseren.

Es musste so kommen!

Bei den Emmaus-Jüngern war grade eine Vision von einer Zukunft mit Jesus zusammengebrochen. Ihre Geschichte schien zu Ende. Nun erzählt ihnen Jesus, dass das, was sie erlebt hatten, genauso passieren musste. Der Retter musste leiden, er musste sterben.

Bei mir regen sich hier die gleichen Zweifel und Fragen wie in der sozialistischen Geschichtserziehung: Musste das wirklich so sein? Gott ist doch Gott! Hätte er nicht auch andere Wege zur Rettung der Menschen gehabt? Woher kommt dieses Müssen?

Ostern musste so kommen, nicht weil es ein Naturgesetz ist. Ostern musste so kommen, weil Gott es so wollte. Dieses Müssen unterliegt nicht äußeren Zwängen, sondern dem Wesen Gottes selbst. Es musste so kommen, weil Gott sich selbst treu ist. Er steht zu seinem Wort.

Jesus war dem so verpflichtet, dass er diesen Weg freiwillig gegangen ist. Er betete darum, dass ihm dieser Weg erspart bleibt. Und gleichzeitig wusste er, dass dieses Gebet nicht erhört wird. Aber er ging den Weg ans Kreuz nicht mit dem Gedanken: „Ich muss, ich habe keine andere Wahl!“. Er ging ihn mit dem Gedanken: „Ich will, dass Gottes Wille geschieht!“

Es musste so kommen. Aber Jesus handelte nicht aus dem Müssen!

Ich muss gar nichts!

Das Geschehen an Ostern befreit uns von den Zwängen der Todeslogik. Der Tod ist besiegt, und wir sind frei von der Angst vor dem Tod. Weil es „so kommen musste“, müssen wir nichts mehr. Wir dürfen nur noch!

Auch wenn die ganze Welt Angst vor dem Tod haben sollte – ich muss es nicht!

Auch wenn die ganze Gesellschaft nur an sich denken sollte – ich muss es nicht!

Auch wenn alle um mich herum sich über Leistung definieren – ich muss es nicht!

Auch wenn alle sich Sorgen machen – ich muss es nicht!

Ich möchte eine kleine Übung für die Osterzeit anregen: Beobachte deine Worte und Gedanken und notiere dir, wo du „Ich muss …“ sagst. Und dann überlege, ob du an die Sache nicht auch mit einer anderen Einstellung herangehen kannst. Vielleicht wird Ostern dann in deinem Alltag ein bisschen lebendiger.

Frohe und gesegnete Ostertage!

Heinrich Esau

Der Mensch bindet sich und wird gebunden. Wir sind allesamt soziale Wesen mit vielen Bedürfnissen, die in uns hinein gelegt sind. Auf der Suche nach dem Stillen unserer Bedürfnisse binden wir uns. Das Gebundensein kann hilfreich sein oder auch das Leben belasten. Beim Letzteren denken wir zwangsläufig an das Gebundensein in Süchten unterschiedlicher Art, an belastete Beziehungen, an Gedankenspiralen, die uns emotional herunterziehen und einiges mehr.

Wir wissen, dass es auch ein hilfreiches Gebundensein gibt. Eine Bindung, die uns Sicherheit gibt. Sie beginnt bereits im Mutterleib. Aus dem Bereich der Forschung erreichen uns Erkenntnisse, dass die emotionale Lage der werdenden Mütter das ungeborene Leben beeinflusst. Folgerichtig ist es erstrebenswert, dass die schwangere Frau für ihr eigenes Wohlbefinden sorgt. Damit erweist sie auch dem Ungeborenen einen guten Dienst.

Nach der Geburt beginnt das erste so wichtige Jahr des Lebens. Die Art der Bindung, die hier zwischen Kind und der ersten Bezugsperson (meistens ist es die Mutter) entsteht, beeinflusst das ganze Leben des Menschen – so der aktuelle Forschungsstand. Wer hier eine sichere Bindung erlebt, hat eine wichtige Grundlage für die Herausforderungen des Lebens mit auf den Weg bekommen.

Das Kind selbst hat keinen Einfluss darauf, ob es eine sichere Bindung erhält. Es hängt alles von der erwachsenen Bezugsperson ab. In den meisten Fällen ist es die Mutter. Ihr Verhalten gegenüber dem neugeborenen Kind hat eine große Bedeutung. Allen werdenden Müttern, bei denen dieser Satz Angst vor einer so großen Verantwortung auslöst, sei gesagt, dass sie allen Grund haben, zuversichtlich zu sein. Um einem neugeborenen Kind eine sichere Bindung zu geben, braucht es kein psychologisches Studium. Die Mutter darf ihren natürlichen Impulsen vertrauen. Wenn das Kind weint, wird sie es auf den Arm nehmen, wenn es Hunger hat, wird sie es stillen. Da das Kind noch nicht sprechen kann, wird es stets weinen, wenn etwas fehlt und die Mutter wird den natürlichen Impuls haben, die Bedürfnisse des Kindes zu stillen. Die ständige Anwesenheit der Mutter und die unmittelbare Reaktion auf das Kind, gibt diesem Sicherheit. Es macht die wertvolle Erfahrung, dass es nicht allein ist.

Interessant ist, dass wir auch als erwachsene Menschen von diesem Sicherheitsgefühl leben. Wir leiden darunter, wenn wir es nicht haben. Ist es nicht da, fühlen wir uns verlassen.

Der Prophet Jesaja beschreibt es aufschlussreich. Da geht es dem Volk Israel nicht gut und es drückt ein kollektives Gefühl aus (Jesaja 49,14ff.): Verlassen hat mich der Herr, der Herr hat mich vergessen.

Gott antwortet: Vergisst etwa eine Frau ihren Säugling, dass sie sich nicht erbarmt über den Sohn ihres Leibes? Sollten selbst diese vergessen, ich werde dich niemals vergessen. Siehe, in meine beiden Handflächen habe ich dich eingezeichnet.

Ja – es passiert, dass Mütter und Väter für die neugeborenen Kinder nicht da sind und sie verlassen. Es gibt dramatische Lebensumstände, die solche Geschichten schreiben. Diese Kinder starten ins Leben mit einer schweren Hypothek.

Das Volk Israel hat dieses Gefühl in Bezug auf Gott, und es klagt Gott an. Im Unterschied zu Säuglingen, die sich nicht äußern können, geht es hier um erwachsene Menschen, die das Gefühl des Verlassenseins haben.

Gott antwortet auf diese Klage mit einer Zusicherung. Von ihm kommt der Mutter-Kind-Vergleich. Es ist zunächst undenkbar, dass eine Mutter ihr Kind verlässt. Und doch – es passiert. Gott sichert zu, dass es bei ihm nicht passieren kann und nicht passieren wird. Niemals wird er den Menschen, den er geschaffen hat, verlassen.

Ein neugeborenes Kind ist der Mutter ausgeliefert. Es hat keinen Einfluss darauf, ob die Mutter ihm eine sichere Bindung mit auf den Weg gibt oder nicht. So geht es uns auch mit Gott. Wir haben keinen Einfluss darauf, ob er uns sicher an sich bindet. Dieser Bindungsprozess befindet sich außerhalb unserer Möglichkeiten.

Gott verlangt uns ab, dass wir ihm dieses Versprechen glauben, ihm vertrauen. Auch dann, wenn es sich anders anfühlt. Mittlerweile wissen wir, dass wir im Leben nicht vor schwierigen Situationen bewahrt bleiben. Wir machen sie alle durch, in sehr unterschiedlicher Stärke und Weise, aber alle Menschen sind davon im Laufe des Lebens betroffen.

Mit Gott an unserer Seite dürfen wir uns dem Leben stellen. Nicht voller Angst vor den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft, sondern voller Zuversicht, weil er da ist.

„Siehe, in meine beiden Handflächen habe ich dich eingezeichnet“. Meine Vorstellungskraft kommt an ihre Grenzen bei den vielen Milliarden von Menschen, die in den Handflächen Gottes Platz finden. Dennoch: Ich mag dieses Bild. Wir alle sind dort abgebildet. Nebeneinander, untereinander, aufeinander. Ein Gedanke entspring mir: Jeder Mensch dieser Welt könnte in Gottes Händen gleich neben mir abgebildet sein. In Gottes Händen könnten wir Nachbarn sein. Ein Grund mehr, mit allen Menschen den Frieden zu suchen.

Ich wünsche uns allen das Vertrauen in Gottes Versprechen, dass er da ist und uns sieht. Jeden Einzelnen. Du und ich – wir sind bei ihm sicher gebunden.

Hans Esau

Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?

Römer 8,35

Der Apostel Paulus formuliert in diesem Satz zwei Fragen. Eine Antwort gibt er jedoch nicht. Wer die Bibelstelle kennt, weiß, dass die Antwort im Kontext des Verses gegeben wird. Die Fragen haben es allerdings in sich! Deswegen lohnt es sich, dass wir zunächst die Spannung aushalten, bevor wir uns die Antwort sagen lassen.

Es sind Fragen, in denen sich ein existentielles Ringen ausspricht. Das Ringen um die Gewissheit, ob Gott in notvollen und entbehrungsreichen Lebenssituationen noch unverbrüchlich an unserer Seite steht. Sind wir noch in seiner Hand? Oder erweisen sich die biblischen Zusagen der Treue Gottes nicht doch als warme fromme Worte? Das sind sehr ernste Fragen, und nicht Wenige stellen sie sich.

Ich denke zum Beispiel an Menschen in der Ukraine, die zwischen zerbombten Häusern am eigenen Leib eine unselige Mischung von alldem erleben, was Paulus beschreibt: die Kälte des Winters; Schikane durch marodierende russische Soldaten; die ständige Gefahr, dass die Bombardierung wieder losgehen kann.

Ich denke an Menschen, die angesichts seelischer Bedrängnis nicht ein und aus wissen; an solche, die unter bedrohlichen Krankheiten leiden; an Christen, die in ihrer Heimat um ihr Leben fürchten müssen, wenn sie offen ihren Glauben bekennen. Sind diese Erfahrungen vielleicht doch stärker als Gott?

In solchen Situation genügt es nicht, einfach nur „Nein, sind sie nicht“ zu sagen. Es braucht schon ein bisschen mehr, um Zuversicht zu gewinnen.

Lassen wir uns die Antwort, die Paulus gibt, neu zusprechen: Gott ist für uns (V. 31). Er ist so für uns, dass er alles für uns gibt. Nämlich einen Teil von sich! Seinen Sohn Jesus Christus. Er geht für uns in die tiefste Not des Leidens, um dort ein göttliches Netz zu spannen, das uns auffängt, um eine unsichtbare Verbindung zwischen ihm und uns herzustellen, die stabiler ist als alle Anfechtungen und Zumutungen dieser Welt.

Dieser Weg Jesu ist Ausdruck einer Liebe, die sich voll und ganz hingibt. Er ist das Siegel, dass Gott endgültig und unverbrüchlich zu uns steht. Von nun an hat er einen letzten Anspruch auf unser Leben und sonst keine Macht der Welt. Nichts Geschaffenes ist stärker als der Schöpfer, die tragende Kraft, die uns unserem Ziel entgegen führt.

Auf diesem Hintergrund erklingt am Ende des Kapitel eine ergreifende Gewissheit, von der wir uns in diesem neuen Monat tragen lassen können:

„Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“

Prof. Dr. Oliver Pilnei