Wer bin ich?
Wer bist du? Diese Frage nach der eigenen Identität hat sich sicher schon jeder irgendwann gestellt. In einer ruhigen Minute oder vielleicht sogar Stunde. Denn es ist keine Frage, die man schnell mit einem Satz beantworten könnte. Zumindest nicht vollumfänglich. Jedoch wird es auch mit sehr vielen Worten schwer, einen Menschen ganzheitlich zu beschreiben. Alles was eine Person ausmacht, das Wesen, den Charakter und alle anderen Merkmale.
Nun, es bleibt die Frage. Wer bin ich? Wer bist du?
Ich bin ein Klumpen Ton. Du bist ein Klumpen Ton! Diese Aussage gibt es zumindest in der Bibel. Ton ist kein wertvolles Material. Es ist nasser Dreck. Das klingt zunächst nicht so positiv.
Vielleicht kennen wir jedoch das Gefühl, als Klumpen irgendwo zu liegen und etwas stumpfsinnig den Alltag hinter uns zu bringen. Unzufriedenheit und Unbehagen machen sich in den Gedanken breit. Wie passe ich als Klumpen irgendwohin?
Jedoch bleibt es nicht bei diesem Klumpen. Der Töpfer nimmt den Ton in die Hand und bearbeitet ihn. Der Töpfer ist ein Künstler. Er hat etwas im Sinn, was aus dem Klumpen werden kann. Er besitzt die Fähigkeit, Kreativität und Geduld etwas Schönes und Brauchbares daraus zu formen. Er weiß, wie das Material zu verarbeiten ist, wo gedrückt und gezogen werden muss. Er ist ein Meister seines Fachs und sieht die Schönheit schon bevor sie entsteht. Das Einzigartige und Wunderbare im Klumpen kann der Laie nicht sehen. Und doch lässt der Töpfer es entstehen. Gott als Töpfer beschreibt seine kreative Seite, mit der er dein Leben bereichern möchte. Du bist nicht einfach nutzloser Ton, sondern etwas Wunderschönes in Gottes Hand.
Aber wir fühlen uns oft gar nicht so wunderschön. Das Gefühl der Wertlosigkeit macht sich breit und ein gesundes Selbstbewusstsein scheint außerhalb unserer Reichweite zu liegen. Das Bemühen z. B. um gutes Aussehen oder gute Leistungen kann viel Kraft in Anspruch nehmen. Das Wohlgefühl ist so fern.
In Johannes 15,5 spricht Jesus vom Weinstock und beschreibt die Verbundenheit zu seinen Nachfolgern: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Das sind Worte, die eine Identität beschreiben, zu der du und ich erschaffen wurden. Es geht nicht darum, unsere Identität selbst zu kreieren. Wir sind dazu erschaffen, ganz abhängig von Gott zu sein. Diese Identität lässt den Blick von mir zu Gott wandern. Das „Ich“ ist von Gott geprägt. Ich bin Gottes Ebenbild, sein Geschöpf. Auf der Suche nach Identität, Bestimmung und Selbstvertrauen darf der Blick zu ihm gehen. Dabei wird die Wahrheit sichtbar, dass er das Fehlende und Unsichere nimmt und in Vertrauen verwandeln kann.
Gott kennt dich!
Andere Menschen können dich manchmal nicht verstehen, weil das Gesagte falsch rüberkommt. Gott kennt dein Herz und deine Absicht. Er weiß zu 100% was in deinem Kopf und deinem Herzen vorgeht.
Gott kennt deine ängstlichen Gedanken und Gefühle, von denen du niemanden erzählen möchtest, weil es dir vielleicht zu peinlich oder intim ist. Oder du erzählst nur eine Variante, die nicht exakt alles beschreibt, um nicht zu blöd dazustehen.
Von Gott wirst du gekannt und verstanden. Er sorgt sich um das, worüber du dir Sorgen machst. Für ihn sind deine Bedenken nachvollziehbar. Von Gott gekannt zu werden, heißt Bestätigung zu bekommen. Ich erinnere mich, wie ich als Teenie häufig den Gedanken hatte, dass ich an nichts Böses denken darf oder böse von Menschen denken sollte, weil Gott meine Gedanken kennt. Ich zwang mich diese Gedanken zu unterdrücken. Ich habe die Gedanken für mich behalten und bin damit nicht offen zu Gott gekommen. Er wusste es doch schon. Ich hätte es mir einfacher machen können.
Gott weiß alles über dich und verurteilt dich nicht. Er kennt das Gute, das Unschöne, das Schlechte und das richtig Hässliche. Er kennt die dunkelsten Gedanken deines Herzens. Du musst dich jedoch nicht bedroht fühlen, wenn er dich so kennt. Wenn er dich so gut kennt, kann er dir am besten helfen und den Weg zeigen, der gut für dich ist. Er kennt dich und liebt dich trotzdem.
In Epheser 2,10 heißt es: „Denn was wir sind, ist Gottes Werk.“ Andere Übersetzungen verwenden das Wort „Meisterwerk“. Du bist von Gott geschaffen und du bist genauso, wie er dich vorgesehen hat – ein Meisterwerk!
Erscheint es dir übertrieben? Ich soll ein Meisterwerk sein? Ich finde diesen Gedanken phänomenal und es zaubert ein Lächeln in meinem Gesicht, wenn ich die Aussage höre. Nicht weil mein Ego dadurch eine wohltuende Massage erhält, sondern weil ich den Gedanken schön finde, dass Gott sich sehr viel Mühe gemacht hat, als er sich mich ausgedacht hat. Er hat viele Gedanken über mich ‚verloren‘, weil ich ihm wichtig bin.
Für mich wünscht er sich so sehr, dass ich ihm näherkomme. Er sucht meine Nähe. Jedoch beruht eine Beziehung auf Gegenseitigkeit. Je näher ich ihm bin, desto mehr werde ich, wie er ist. Und je mehr ich weiß, wie er ist, desto mehr werde ich erkennen, wer ich bin – ein Meisterwerk. Das Gleiche gilt für dich. Wenn es dich nicht gäbe, dann würde der Schöpfung etwas fehlen.
Du bist ein Meisterwerk!
V. Goosen

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