Schau hin!

Ich bin im Urlaub am Meer. Die Sonne scheint. Der Wind und das Rauschen der Wellen bilden ein angenehmes Hintergrundgeräusch. Ich schaue mir die Umgebung an. Ein Gedanke aus einem am Vortag gelesenen Buch bewegt mich: „Sieh hin! Schaue dich um und betrachte, was um dich herum ist.“

Ich sehe die Wellen, getrieben vom stetigen Wind, mit ihren Schaumkronen. Licht und Schatten wechseln, weil die Wolken vorbeiziehen und das Sonnenlicht immer wieder unterbrechen. Kurz bevor die Sonne hinter einer Wolke hervorkommt, sind ihre Strahlen schon zu sehen. Es sind Vorboten der Wärme und des Lichts.

Am Horizont erkenne ich einige Schiffe, die sich wie in Zeitlupe vorwärtsbewegen. Einige Möwen fliegen kreischend über den Strand auf der Suche nach etwas Essbarem. Die Kinder buddeln mit den Schaufeln im Sand. Sie möchten ein Sand-Sofa bauen. Andere Menschen spazieren am Strand entlang und genießen das Meer. Die Sonne ist gerade wieder da und ich spüre ihre Wärme. Es tut gut. Ich bin dankbar für diesen Moment. Der genaue Blick auf meine Umgebung hat meine Wahrnehmung verändert.

Die Augen sind eine tolle Erfindung Gottes. Bereits im Bauch der Mutter entwickeln sich die Augen. Über eine Million Nervenfasern verknüpfen das Auge mit dem Gehirn. Wie viele kleine Kabel, die Informationen zum Gehirn leiten und dort ein Bild entstehen lassen. Es ist faszinierend. Die Augen sind zum Sehen da und wir werden aufgefordert hinzusehen.

Die Schöpfungsgeschichte erzählt wie Gott sich alles ansieht, nachdem er die Dinge, Tiere, Menschen und alles andere erschaffen hat. „Gott sah, dass es gut war.“ (1.Mose 1,4) Das ist Gottes Empfindung nach einem Blick auf seine Schöpfung. Und das empfindet er auch, wenn er dich ansieht.

Wie sieht deine eigene Perspektive aus? Worauf geht dein Blick, wenn du vor dem Spiegel stehst? Entsprichst du dem gesellschaftlichen Idealen? In Gottes Augen bist du ideal. Du darfst dich als ein gesamtes Kunstwerk Gottes sehen. Versuche beim nächsten Spiegelbesuch mal daran zu denken. Die negativen und zerstörerischen Gedanken über dich gehören in die Mülltonne, die abgeholt und nie wieder zurückgebracht wird.

Hinschauen, das Gute entdecken, innehalten und sich Zeit nehmen.

Einfach ohne Leistungsgedanken hinsetzen, sich die Dinge genau anzuschauen und zu genießen.

Sich über das, was gerade gut im Leben ist, zu freuen und in Dankbarkeit zu schwelgen.

So stelle ich mir Gott bei der Schöpfung vor. Er hatte einen Teil abgeschlossen, schaute es sich an, befand es für gut und genoss es.

Zurück am Strand. Ein besonderes Erlebnis zeigt mir, dass ich die Augen für eine weitere Sache verwenden sollte, als nur die Umgebung anzuschauen und zu genießen.

Am frühen Abend packen wir unsere Sachen zusammen und wollen uns auf den Weg vom Strand zum Ferienhaus machen. Beim Zusammenpacken rutscht mein Ehering vom Finger in den Sand. Wir machen uns sofort auf die Suche, aber der Ring ist nicht zu finden. Am Abend ist meine Stimmung stark getrübt.

Unsere Ehe hängt nicht vom Ring ab, aber der Verlust ist ärgerlich und frustrierend. Noch am gleichen Abend und zwei Tage später gehe ich immer wieder die Stelle ab, an der ich den Ring verloren habe. Mit einem Plastikkorb und mit meinen Händen siebe ich immer wieder den Sand durch. Ich versuche genau hinzuschauen und in dem weichen Sand alles zu ertasten. Nach einigen Stunden der Suche geschieht das Wunder.

Juhu!

Ich spüre den Ring im Sand und stoße einen Freudenlaut aus. Einige andere Strandbesucher schauen mich verwundert an und fragen, ob ich etwas verloren habe. Sie haben mich vorher schon knieend durch den Sand ‚pflügen‘ sehen. Die vielen Gebete, die ich gesprochen habe, wurden erhört. Die Freude ist riesig. „Wer sucht, der findet“ das habe ich gerade ganz praktisch erfahren. Dazu musste ich ganz genau hinsehen.

Ich möchte dich ermutigen innezuhalten, hinzusehen und ganz neu zu staunen, was du entdeckst. Vielleicht wirst du überrascht durch einen neuen Blick auf etwas Altbekanntes oder findest ganz Neues. Lass dich darauf ein und schau hin.