Das Beste aus sich herauslocken

Wer möchte das nicht. Zeigen was in einem steckt.

Das Kind zeigt den Eltern, was es schon kann, der heranwachsende Teenager seinen Freunden.
Der junge Erwachsene hebt hervor, dass er auch allein gut klarkommt und die Ratschläge der Eltern nicht benötigt. Die weiteren Entwicklungen eines Menschen könnt ihr euch sicherlich aus eigener Erfahrung oder Beobachtungen ausmalen.
In der Freundschaft, dem Verliebtsein, dem Eltern-sein und dem Älterwerden.

Seine Fähigkeiten und Kompetenzen erblicken lassen, zur vollen Blüte gelangen.
An dem Leitbildwochenende prägte uns als Leitungskreis das Bild der Seerosen im Meer der Möglichkeiten.

Das Faszinierende an diesem Bild ist für mich, dass jede einzelne Seerose mit Ihrer Schönheit dieses Bild mitprägt.

Das Bild wäre ein anderes, wenn ein Teil der Seerosen unter Wasser blieben und sich nicht „trauten“ hervorzuwachsen.
Die Farbenpracht und Schönheit würde nicht so sein wie es möglich wäre.

Wenn ich dieses Bild auf die Gemeinde übertrage, hat es damit zu tun,
dass jeder in der Gemeinde eine Seerose darstellt, die sich im Meer der Möglichkeiten blicken lässt.

Paulus wendet sich mit folgenden Worten an seinen Zieh-Sohn Timotheus. 1. Tim. 1,6-7

Aus diesem Grund erinnere ich dich an die Gabe, die Gott dir in seiner Gnade geschenkt hat, als ich dir die Hände auflegte. Lass sie zur vollen Entfaltung kommen!  Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Ängstlichkeit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Gemeinde ist demnach ein Ort der Entfaltung dessen, was ich habe, was Gott mir geschenkt hat. Am besten in einem Umfeld, in der die Angst nicht vorherrschend ist.

Ich möchte den Begriff der Gabe etwas ausweiten. Es ist einerseits etwas, was Gott mir in seinem Wohlwollen schenkt, eine Fähigkeit, Gottes Wesen in meinem praktischen Leben sichtbar zu machen.

Das hat andererseits auch viel mit meiner Persönlichkeit und Prägung zu tun. Wer ich bin, was treibt mich an und was bremst mich.

Das kann die Freude an der Freiheit „Dinge auszuprobieren“ sein. Wie wertvoll sind Menschen, die diese Freiheit leben. Sie packen und sprechen an, wo andere eher gehemmt sind. Daraus kann eine ansteckende Lebendigkeit im Miteinander entstehen. Gott ist ein Gott der Freiheit und freut sich an diesen Menschen. Versuche mal in der Bibellese, aber auch im Miteinander, ein Gefühl für diese Menschen und ihre Wichtigkeit zu entwickeln.

Es kann aber auch die Fähigkeit sein, Ordnung in ein Chaos zu bringen. Sie empfinden die größte Freude dran, Pläne, Listen und Termine zu machen. An Ihrer Seite gibt es klare „Fronten“ und man weiß immer, wo man steht und wohin man geht. Gerade dann, wenn die o. g. Lebendigkeit überhandnimmt und die Struktur eines Planes nicht mehr sichtbar ist.
In Zeiten, wenn etwas Neues beginnt.
Ein neues Jahr muss geplant werden, ein neues Team formiert sich, es muss etwas termingerecht erledigt werden. Das kann auf diesen Wegen sehr wertvolle Sicherheit und Ruhe bringen. Man kann sich wirklich zurücklehnen, weil u. a. die Zuständigkeit klar ist.
Gott sei Dank gibt es auch Menschen mit dieser Gabe.

Was wäre unsere Gesellschaft ohne Menschen, die die Fähigkeit haben, sich Menschen zuzuwenden. Sie schaffen eine Atmosphäre der Annahme und der Wertschätzung. Es tut einfach gut und man fühlt sich wohl, diesen Menschen, besonders in herausfordernden Zeiten, zu begegnen. Was für ein Privileg, solche Menschen im stark strukturierten und leistungsorientierten Alltag zu erleben. Es fühlt sich an wie eine Oase, bei der man auftanken kann.

Zu guter Letzt denke ich an Menschen, die sich in einem leistungsorientierten Alltag richtig wohl  fühlen. Sie können Aufgaben erledigen, sich in Themen hineindenken und strittige Auseinandersetzungen mit Distanz angehen. Konzepte schlüssig und verständlich ausarbeiten und klar formulieren ist ihre Stärke. Wer möchte darauf verzichten?

Das Beste ist demnach das, woran ich Freude habe und was ich gerne mache. Es ist ein Geschenk Gottes, der es gut mit mir meint. Dann darf ich es auch gut mit mir meinen und muss keine Angst haben und es zurückhalten. Damit kann ich ein Teil des Wesens und der Schönheit Gottes in dieser Welt ausdrücken. Mit „aus sich herauslocken“ meine ich, dass die Entfaltung dieser Gaben meine Entscheidung ist und in kleinen Schritten geschieht. Das „Lockmittel“ ist die Freude, die daraus entsteht und die Einsicht, dass es ein Geschenk Gottes ist.

Mit diesen Ausführungen möchte ich Mut machen, ein Gefühl für das „Beste“ in einem zu entwickeln und dies auch in kleinen Schritten zum Ausdruck zu bringen.

Gerade in diesen Tagen denken wir daran, dass Gott uns in Jesus entscheidend entlastet. Jesus stirbt an unserer Stelle und zeigt damit so klar, dass wir Geliebte und Angenommene sind, trotz allem. Das ist die beste Grundlage dafür, dass Gott in unserem Leben sichtbar wird.

B. Driesner