Schlafen und schlafen lassen

Gleichsam wie vom Atmen, Essen und Trinken, ist unser Leben seit der Geburt vom Bedürfnis nach Schlaf geprägt. Ich erinnere mich noch, wie gerne ich meine Kinder im Säuglingsalter betrachtet habe, wenn sie friedlich schliefen. Nicht selten wirkten damals diese Beobachtungen auch auf uns Eltern einschläfernd. Noch schnell eine Mütze Schlaf nachholen, die einem in der Nacht nur unter Vorbehalt vergönnt war. Wusste man doch nur allzu gut, dass jeder liebliche Schlaf ein jähes Ende finden konnte. So köstlich die Momente des Einschlafens dann waren, so quälend konnten die Augenblicke des „Gewecktwerdens“ dann werden. Humorvoll und unbedacht hatten wir noch vor der Geburt zitiert: Den seinen gibt’s der HERR im Schlaf! Gefühlt fehlte nun der Schlaf, in dem man beschenkt werden konnte. Aber wie gesagt, nur gefühlt! Denn so wie viele vor uns und auch viele nach uns, erlebten wir, wie unsere Kinder (wie wir selbst wohl einst auch) durchschlafen „lernten“.

Das mit dem Durchschlafen ist aber schon eine seltsame Sache. Obgleich man es wohl in der Kindheit gelernt haben sollte, scheint mich diese Fähigkeit bisweilen zu verlassen. Es sind diese Momente, wo die Matzratze weich, die Decke warm und das Kissen kuschelig sind … doch die Welt, meine innere Welt im Halbschlaf, so unendlich besorgniserregend und ungemütlich an mir zupft und kratzt. Es gibt dann z.B. plötzlich und scheinbar noch sooo viel zu erledigen. Offenbar unerledigte Dinge wachsen dann zu gewaltigen Schattenbergen heran und buhlen wie Vernachlässigte um meine Aufmerksamkeit. Ja, manchmal halten mich diese fiesen Schatten mit einer überzeugend trügerischen Heiligkeit fest und scheinen mir zu sagen: Wir lassen dich nicht, es sei denn, du segnest uns. Ein Ringen und ein Kämpfen…im Halbschlaf. Ein Hunger, ja eine tiefe Sehnsucht nach Ruhe. Angst! Wann nimmt dieser Zustand ein ENDE??? – Manchmal stehe ich dann auf, atme trinke und esse eine Kleinigkeit. Ärgere mich darüber, dass ich nicht richtig schlafen konnte … lege mich dann wieder hin und denke: Am besten wäre es, wenn ich später nicht zur Arbeit müsste. Wochenende! Jaaa, das wäre super! Ausschlafen! Der Moment, wenn man irgendwie wach wird und dann der Schlaf einen unwiderstehlich erneut in die friedlichen Tiefen seines Reiches zieht, geheimnisvoll stärkt und gesegnet wieder entlässt.

A. Esau